Caddy goes Camper – Teil 13: Rückblick & Kosten eines Camper-Ausbaus ohne jegliches Vorwissen

Nach insgesamt acht Monaten Bauzeit mit einigen Pausen ist es im unglücklichen 13. Teil der Camper-Ausbaureihe nun Zeit, Revue zu passieren und auf die Zeit – und irgendwo auch dieses Jahr – zurückzublicken. Dabei möchte ich im folgenden genauer auf diverse einzelne Aspekte eingehen und auch die Frage der Gesamtkosten des Ausbaus beantworten.

Vorwissen

Die Ausbau- und Reise-Videos auf YouTube haben mir nach zig-maligem Anschauen genug Vorstellungskraft gegeben, dass ich tatsächlich in der Lage wäre, einen solchen Ausbau zum größten Teil selbst (siehe unten) in Angriff zu nehmen. Getreu Dominiks Kanalmotto Einfach machen war für mich dann mit dem Autokauf, spätestens aber mit der Planung des Ausbaus und dem Kauf der Bodenplatte klar, dass ich das wirklich machen würde, auch wenn ich bei manchen Punkten – wie dem Filzen – bis zum Ende nicht ganz davon überzeugt war, dass ich das mit meinem Perfektionismus-Anspruch tatsächlich auch hinbekommen würde. Mit der Zeit habe ich aber das Internet und die ganzen verschiedenen Videos auf YouTube zu schätzen gelernt, da es – mit ein wenig Transferleistung vom Dokker auf den Caddy – als echt gute Anleitung dient und ich hoffe, mit meinen bis hierhin 13 Teilen auch ein wenig zu dieser Enzyklopädie beigetragen zu haben. Vielleicht habe ich irgendwann auch mal die Muße, ein Roomtour-Video zu drehen, bis dahin mag ich aber in der Schrift- und Bilderform verbleiben.

... und im ausgeklappten Zustand für die Liegefläche
Der Sternenhimmel war seine Arbeit auf jeden Fall wert

Zu erwähnen sei zum Thema Vorwissen, dass dieses abseits der Videos tatsächlich kaum vorhanden war. Ich hatte die notwendige Ahnung von Elektronik, aber ich hatte vor diesem Projekt noch nie eine Stichsäge oder eine Kreissäge in der Hand und ich saß auch noch nie an einer Nähmaschine. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – hat mir der Ausbau auch mit den Motivationstiefs (die es mit Job nebenbei nicht gegeben hätte) sehr viel Spaß gemacht und es war sehr cool, all die verschiedenen Werkzeuge zu nutzen und auch so viele Dinge ausprobieren zu können, die ich vielleicht nie gedacht hätte mal zu machen – einschließlich einer sehr gründlichen Säuberungsaktion in der Küche nach der Kreissäge… 😀

Zeit

Eigentlich war der Ausbau des Campers nebenbei neben meiner Tätigkeit als Flugbegleiter geplant, da ich ab dem 1. Mai in 75% Teilzeit gehen sollte. Wie dem auch sei, kam es dank Corona komplett anders und ab dem 17. März hatte ich quasi endlos Zeit für das Projekt, was im Nachhinein sicher nicht ganz förderlich war. Für die reine Bauzeit sind der 28. März 2020 (Abholen der Bodenplatte) und der 20. August 2020 (Erste Übernachtung) von Relevanz, denn so ergibt sich eine Bauzeit von rund fünf Monaten. Später kam noch die Standheizung und einige Kleinigkeiten, wie das Küchenregal dazu, doch 99% des Campers entstanden in den Monaten April-August. Aus dieser Zeit muss letztendlich auch noch ein Monat herausgerechnet werden, den ich aufgrund von Corona, Jobverlust und anderen Sorgen als „Findungsphase“ genutzt, beziehungsweise sehr motivationslos im Bezug auf die Fortführung des Ausbaus war.

Mit ein bisschen mehr Selbstdisziplin wäre das Projekt aber auch in drei oder bei Vorwissen und vernünftigen Arbeitsräumen sogar zwei Monaten möglich gewesen, nur hatte ich hier eben genug Zeit und in meinem Perfektionismus habe ich diese genutzt, um möglichst an alles denken zu wollen, was die Fertigstellung des Autos und auch der Blogeinträge hier dann immer weiter nach hinten geschoben hat.

Arbeitsräume

Was ich beim nächsten Mal – sollte es das geben – vermutlich irgendwie ändern würde, wären die Arbeitsmöglichkeiten, an denen ich am Auto und der Inneneinrichtung arbeiten konnte. Primär genutzt wurden dafür nämlich das Auto geparkt in meiner kleinen Seitenstraße und die Küche meiner Wohnung im ersten Stock. Lediglich einige Abschnitte wurden in der Garage meiner Eltern, in der Kellerwerkstatt bei Melina oder in/vor einer Halle mit Hebebühne bei Robert realisiert.
Leider konnte ich aber keine mietbaren Hallen finden, in denen sich das ganze umsetzen ließe, wie es sie zum Beispiel als Selbsthilfewerkstätten gibt. Alle „Holzwerkstätten“, die ich gefunden habe, waren mit Vereinsmitgliedschaften verbunden, was für mich aber nicht von Interesse war. Insbesondere bei einem größeren Auto als dem Caddy, wo die Möbel allesamt noch „handliche“ Größen haben, hätte mein Setup denke ich nicht mehr vernünftig funktioniert.

Der Ausbau an sich

Natürlich sollten beim Rückblick auch ein paar Worte zum Ausbau nicht fehlen. Wie schon am Anfang erwähnt, orientiert sich dieser am Ausbau vom Rene und tatsächlich würde ich nach den ersten etwa 15 Nächten nicht wirklich etwas anders machen. Ich mag den Caddy für seine kompakte Größe, finde die Aufteilung von Küche, Sitz- und Schlafmöglichkeiten gut gelöst und auch den Kühlschrank sehr groß, wenn auch Ordnung dort nicht unbedingt handhabbar ist.
Es gibt zwei größere Dinge, die mich bisher am meisten gestört haben: Zum einen die Deckenhöhe des Caddy, da mir in etwa 15 cm fehlen, um wirklich gerade sitzen zu können. Die Sitzbank ließ sich aber auch nicht tiefer bauen, da sie nicht über den Radkasten gekommen wäre, gleichzeitig hätte ich damit kaum Stauraum in den Kisten gehabt. Und als zweites Manko musste ich bisher die Kapazität der Batterie im Winter festhalten, da ich so bei Dauerheizung nicht länger als eine Nacht an einem Ort bleiben kann.

Der soweit fertige Ausbau

Außerdem ist der Ausbau an sich vermutlich auch noch nicht fertig. Noch immer ist das Thema Solar auf dem Schirm als zusätzliche Ladetechnik zum Fahren, ich ziehe noch irgendwann in Erwägung, die Fenster hinten abzudunkeln, da dort aktuell gar keine Verdunklung vorhanden ist und auch das Thema der Türen wird mich noch weiter beschäftigen, da mir Schiebetür zu laut ist und die Hecktür noch keine Möglichkeit zum Zuziehen hat. Was dem ganzen auch noch fehlt, ist ein Praxistest zu zweit über mehr als drei Tage, aber ich denke, dass es dazu vermutlich wohl erst nach Corona kommen wird, wenn man auch abseits des Autos etwas unternehmen kann.

Kosten

Der Caddy-Minicamper hat mich insgesamt knapp 18.000 € gekostet, die sich wie folgt aufteilen:

Das Fahrzeug 12.000,00 €
Standheizung 2.065,66 €
Elektronik (einschl. Bordbatterie) 974,31 €
Küche (einschl. Kühlschrank) 543,77 €
Holz/Möbelbau 493,64 €
Multifunktionslenkrad 484,95 €
Polster/Bezüge/Vorhänge 404,61 €
Verkleidung (einschl. Filz und PVC) 288,87 €
Einrichtung 277,26 €
Werkzeuge 232,76 €
Kleinkram 111,00 €
Gesamt 17.876,83 €

Der Punkt Einrichtung umfasst allerlei Sachen, die ich extra für das Auto angeschafft habe, wie Bettwäsche, Starterkabel oder Küchenutensilien. Die Werkzeuge einschließlich der Miete für die Kreissäge habe ich ebenso separat gerechnet, da ich diese Sachen ja wiederverwenden kann und sie in Materialkosten nicht hineingerechnet werden sollen. Der Kleinkram umfasst Sachen wie Schrauben, Muttern oder Unterlegscheiben und alles, was sich nicht anders zuordnen ließ.

Dazu kommen natürlich noch die Arbeitsstunden, aber das muss jeder selbst reinrechnen. Für knapp 6.000 € einen kleinen unauffälligen und nach eigenen Wünschen mit den eigenen Händen gebauten Camper samt Bordelektronik, Kühlschrank, Standheizung und Leder-Multifunktionslenkrad finde ich trotzdem einen sehr fairen Preis.

Dankeschön

Zum vorläufigen Abschluss (dazu gleich noch mehr) dieser Camper-Ausbaureihe muss ich auch noch ein wenig sentimental werden. Ein Dankeschön für all die Dokumentation und Inspiration in ihren detaillierten Ausbau- und Reisevideos geht auf jeden Fall an Rene, Billy, Lars und Dominik. Dann muss ich Aaron erwähnen, der das nie lesen wird, aber mir beim Zuschnitt der Bodenplatte geholfen hat, sowie Robert für die Hilfe insbesondere beim Lenkrad-Wechsel und dem Verlegen des Abflussrohres. Außerdem natürlich meine Mutter, die mir die Verwendung einer Nähmaschine näher (höhö) gebracht hat.

Aussicht auf die Camper-Abenteuer

Das größte Dankeschön an dieser Stelle geht aber an Melina, die – auch wenn sie meist nur dabei saß oder dumme Kommentare von sich gegeben hat – den ganzen Ausbau über Gesellschaft geleistet hat, hier und da nen cleveren Tipp hatte und egal wie sehr ich mit dem Denken ans hundertste und tausendste Detail beschäftigt war, mich dabei auch irgendwie ertragen hat 🙂

Von ihr gibt es als „Bonusteil“ mit dem nächsten Blogeintrag auch noch ihre Sicht des gesamten Camper-Ausbaus, anschließend stehen schon einige Einträge von den ersten Abenteuern in den Startlöchern und ich hoffe, im Laufe der ersten 1-2 Monate hier wieder aktuell zu sein und die kleine Wintertour veröffentlicht zu haben, bevor der Sommer angefangen hat 😀

PS: Wer hier nicht chronologisch hingekommen ist, kann hier zum ersten Teil der Ausbau-Reihe springen, in der ich darauf eingegangen bin, warum und wieso überhaupt es soweit kam, dass ich meinen „Zweitwohnsitz“ auf vier Rädern habe 😀

Ein Kommentar

  1. Sehr gerne doch, ich würde dir auch jederzeit wieder bei einem Ausbau Gesellschaft leisten, „ertragen“ klingt nämlich so negativ. Frau Wichtig freut sich schon auf ihr Bonus-Kapitel 😀

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