Work & Travel Australien: Ein Auto muss her!

Prolog: Da ich auch in diesem Blogeintrag aus persönlichen Gründen wieder etwas nach vorne springe, möchte ich die chronologische Lücke für Dich als Leser zumindest im Groben füllen. Nach drei Wochen auf der Nussfarm und zwei Wochen in Byron Bay hatte ich die nächsten zwei Monate in Coffs Harbour verbracht. In dem kleinen 50.000 Seelen-Städtchen etwa auf halber Strecke zwischen Brisbane und Sydney hatte ich über Gumtree (das australische Kleinanzeigen) ein Apartment für $300 pro Woche zur Untermiete gefunden, da die Besitzerin, eine ältere Frau, nach Europa gereist ist, um ihre Enkel zu besuchen. Somit hatte ich ein wenig meine Ruhe und gleichzeitig dennoch eine komplette Wohnung mit Schreibtisch zur Disposition und alles wichtige fußläufig erreichbar – ein großes Einkaufszentrum, Natur sowie einige schöne Strände. Nachdem mich die Arbeit und Isolation auf der Nussfarm als „Kirsche auf der Sahnehaube der Torte“ zu einer Form von mentalem Breakdown geführt hatten, verbrachte ich auf diese Weise nun neun Wochen in entspannter und ruhiger Idylle.

In Coffs Harbour hatte ich nicht nur die Möglichkeit, einiges der letzten Monate und Jahre zu reflektieren und zu verarbeiten, sondern mir auch zu überlegen, wo die Reise in meinem Leben nun weiter hingehen sollte. Ich hatte keinerlei Verpflichtungen und mir stand streng genommen die ganze Welt offen, doch ich beschloss in dem Moment, dass ich noch ein zweites Jahr in Australien dranhängen wollte. Um mein Visum verlängern zu können, musste ich jedoch die 88 Tage Farmarbeit abschließen, wobei ich aus der ersten Farmerfahrung insofern gelernt hatte, als dass ich diese Zeit nicht ohne eigene Mobilität bestreiten wollte…

Meinen bisherigen Erfahrungen nach mag der öffentliche Nahverkehr in den Metropolen Australiens, also Sydney, Melbourne oder Brisbane ähnlich oder besser als in Deutschland sein und in „kleineren“ Städten wie Coffs Harbour zumindest existieren. In Dörfern und Kleinststädten trifft man aber nur selten Bushaltestellen und selbst wenn, fährt dort noch seltener ein Bus. Da für mich aber feststand, dass ich die nächsten Monate in genau solchen Regionen verbringen werde und nicht immer von anderen abhängig sein möchte, folgte für mich daher im Umkehrschluss die Erkenntnis: Ich brauche ein eigenes Auto.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Dabei war mir bereits am Anfang der Suche und beim Durchrechnen meiner Finanzen klar, dass ich Kompromisse eingehen musste. Was ich nicht so gut fand, weil Kompromisse mit meinem Perfektionismus doch eher schwer vereinbar sind – aber ich war ja auch unterwegs, um zu wachsen. Insgesamt stand für die Autosuche folgendes fest: Das Budget lag bei maximal $6.000 (ca. 3.600€), wobei dies das Budget für alles war – vom Kauf über die Ummeldung, etwaige notwendige erste Investitionen bishin zu den ersten 1-2 Tankfüllungen. Darüber hinaus wünschenswert waren selbstverständlich ein guter Zustand, der Reparaturen erstmal hinfällig machte, eine Automatik (da ich mit Gangschaltung in Australien noch keine Erfahrung hatte), ein Tempomat (für längere Strecken) und eine gewisse Länge, sodass man im äußersten Fall eine Matratze ins Auto reinlegen konnte und das Fahrzeug als kleiner Camper genutzt werden konnte.

Mit Camping an sich hatte ich dank meinem in Deutschland zurückgelassenen und selbstausgebauten Caddy-Minicamper bereits einiges an Erfahrung. Im Gegensatz zur Heimat hatte Australien mit vielen öffentlichen Toiletten (die auch noch sauber und kostenlos waren), Duschen am Strand und Barbecue-Plätzen eine größere Infrastruktur, sodass dem „Carlife“ nur eine Matratze, eine Kühlmöglichkeit und deswegen wahrscheinlich auch eine Zweitbatterie im Weg gestanden hätten.

Meine Perfektionismus-Wünsche und meine aus Deutschland „erarbeiteten“ Ansprüche erstreckten sich dann noch auf ein möglichst modernes und bequemes Auto, auf eines möglichst ohne Schrammen, Kratzer oder Schäden an der Lackierung durch die Sonne (was es in Australien aber eigentlich nicht gibt), sowie ein Auto, welches nicht grau oder schwarz war. Eigentlich sind silber und weiß auch nicht unbedingt meins, aber mir war bewusst, dass ich aus der Außenfarbe keinen großen Akt machen konnte, zumal ich das Auto irgendwann ja wieder verkaufen wollte – und aus irgendeinem Grund sind meine vier Hass-Farben auf Autos exakt die am meisten gefragtesten. Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang, wer weiß…

Wo habe ich in Australien nach Autos gesucht?

Im Grunde war die Autosuche in Australien nicht groß anders als in Deutschland, lediglich bei den Formalitäten gab es einige Unterschiede, auf die ich weiter unten eingehen werde. Neben den örtlichen Autohändlern (die aufgrund der dazugehörigen Garantie am teuersten waren) sind natürlich auch in Down Under Käufe von privat möglich. Für die Online-Suche boten sich hierfür sowohl Gumtree (das australische Kleinanzeigen) als auch Carsales (vermutlich das australische Mobile.de) an. Gerade in meinem Preisbereich fand ich das Angebot auf beiden Seiten in der 50.000 Einwohner-Stadt aber mehr als überschaubar. Dies brachte mich zwischenzeitlich auch zu der Überlegung, nach dem Aufenthalt in Coffs Harbour nach Sydney oder Brisbane zu fahren, da dort logischerweise ein höheres Angebot existierte.

Am meisten Auswahl (und am Ende auch Erfolg) hatte ich dann jedoch über Facebook. Was in Deutschland für soziale Kommunikation – insbesondere in meiner Generation – mehr als nur tot ist, erfreute sich außerhalb des eigenen Tellerrands doch als sehr populär. Nicht nur über die Gruppenfunktion, mit der sich Jobs, gleichgesinnte Reisefreudige oder eben auch Kraftfahrzeuge finden ließen, sondern auch über den Marketplace. Bei den vier Probefahrten während meiner Autosuche habe ich tatsächlich alle vier über den Marketplace gefunden. Ich war zwar auch in der lokalen Gruppe für Autoverkäufe drin, allerdings umfasste lokal oft einen Radius von bis zu 100 Kilometern, zudem ließ sich die Gruppe im Gegensatz zum Marketplace nicht nach Entfernung oder Preis filtern.

Das erste Mal mit Gangschaltung auf der linken Seite

Meine vier Besichtigungen und Probefahrten ergaben sich neben den technischen Details, dem Zustand des Fahrzeugs auf den Fotos, dem Preis-Leistungs-Verhältnis und der Art und Weise, wie der Verkäufer mit mir kommuniziert hatte (wobei Australier da eher kürzer angebunden sind) aus meinem Bauchgefühl, was mich bei solchen Entscheidungen bisher eher selten im Stich gelassen hatte. Das erste Fahrzeug war ein silberner Ford Fiesta (warum auch immer als grau inseriert) aus dem Jahr 2008 mit lediglich 106.000 km, der von einem französischen Backpacker inseriert wurde. Er hatte eine Rego (Zulassung, siehe unten im Kapitel zur Ummeldung) bis Anfang Oktober, war von innen ziemlich sauber und hatte schon einen FM-Transmitter und eine magnetische Handyhalterung drin.

Von außen sah das Auto auf den Fotos besser aus als in echt, aber die Blessuren und Spuren hielten sich in Grenzen. Mein „Highlight“ war die Leiche eines kleinen Krebstieres, die als treuer Begleiter im Inneren des linken Frontlichtscheinwerfers hausierte. Laut dem Backpacker hatte er das Fahrzeug von einer älteren Dame abgekauft, die damit kaum gefahren ist, deswegen der niedrige Kilometerstand. Preislich wollte er $4.500 (ca. 2.800€) dafür haben.

Der Ford Fiesta außen
Der Ford Fiesta innen

Wir machten eine kleine Probefahrt, die gleichzeitig auch meine allererste Erfahrung mit manueller Gangschaltung auf der linken Seite war. Und diese Erfahrung war mehr als gewöhnungsbedürftig, aber ich hatte das Auto glaube ich kein einziges Mal abgewürgt.

Technisch gefiel mir der Innenraum nicht ganz doll, weil die Beleuchtung der Klimaanlage irgendeinen Wackelkontakt hatte, auch sonst wirkte das Auto beim Fahren sehr billig und sorgte insgesamt dafür, dass ich mich nicht wirklich wohl fühlte. Ich bot am Ende zwar $4.000 als mein Maximum an, was ihm jedoch zu wenig war. Wenige Minuten nachdem ich dann gegangen war, schrieb er mir eine SMS mit $4.100 als Angebot, aber ich realisierte in dem Moment, dass ich den Wagen nicht haben wollte und lehnte dankend ab.

Holden Cruze

Einige Tage später folgten am Samstag gleich zwei Besichtigungen, zunächst von einem Holden/Chevrolet Cruze, Baujahr 2009, 175.000 km, Automatik, grau, $6.000 Preisvorschlag und Rego bis Mai 2024. Es war zwar nur ein Jahr jünger, aber innen eine komplett andere, deutlich höherwertigere Welt: Ledersitze und ein Cockpit mit modernen Armaturen, die gefühlt 10 Jahre jünger waren als der Fiesta. Außen hatte der Wagen am Kofferraum eine Stelle, wo die Farbe abblätterte und innen war insbesondere die Rücksitzbank nicht mehr im schönsten Zustand. Auch hier machten wir eine durchaus positive Probefahrt, mussten dabei aber feststellen, dass das Radio nicht funktionierte (es ging einfach nicht an). Ich hatte eine Summe von $5.000 in den Raum geworfen, nachdem er meinte, dass der Austausch des Radios auf ein modernes Gerät wohl nur $200-$300 kosten würde, bat aber um ein wenig Bedenkzeit, womit wir dann auch verblieben.

Der Holden Cruze

Ich begab mich zu Hause dann ein wenig auf Recherche und fand heraus, dass beim Radio womöglich lediglich die Sicherung getauscht werden müsste, was ein Aufwand von wenigen Cent und paar Minuten wäre. Gleichzeitig fand ich aber auch raus, wie verpönt das Fahrzeug in Sachen Zuverlässigkeit war (siehe hier, hier und in den Kommentaren darunter – natürlich ist das nur eine Teilaufnahme und diverse dieser Autos fahren ja noch herum, aber ich wollte die Straße schon häufiger sehen als die Werkstatt), sodass ich trotz mehrerer Überlegungen die Finger davon ließ.

Hyundai i30

Der zweite Wagen des Tages war ein Hyundai i30. Zum einen fand ich das Design des Autos ganz schnittig, zum anderen bin ich über die eben verlinkten Videos auf dieses hier auch vom Kanal ReDriven gestoßen, welches den i30 als eines der „Top 5 ersten Autos unter $5.000“ auflistete. Das Video war aber schon zwei Jahre alt und dieser $5.000-Rahmen hatte sich aufgrund von Inflation, etc. doch ein wenig verändert.

Der Hyundai i30

Die Rahmendaten des i30 lasen sich wie folgt: Baujahr 2009, 200.000 km, Manuell, grau, $5.000 Preisvorschlag und Rego bis Januar 2024. Der Verkäufer hatte angekündigt, dass er es vor unserem Treffen nicht mehr geschafft hatte, das Auto sauberzumachen, was mich dann aber doch nicht davon abhielt, ein wenig schockiert über den Zustand des Wagens zu sein – von außen wie von innen. Seien es Kratzer, der Lack, darauf der Dreck oder die Abnutzung auf den Ledersitzen und Armaturen im Innenraum. Nach dem Start hatte der Motor ein leichtes, quietschendes Schleifgeräusch und während der Fahrt ein sich immer wiederholendes Poltergeräusch, dessen Herkunft irgendwo die rechte hintere Achse gewesen sein muss. Interessanterweise hörte dieses Geräusch bei Geschwindigkeiten ab 50 km/h auf. Auch war das Auto wahlweise so gut isoliert oder im Leerlauf so leise, dass ich den Motor beim „Kupplung kommen lassen“ quasi gar nicht hören konnte und dementsprechend auch ein halbes Dutzend Mal abwürgte – der Besitzer, ein junger Typ, muss sich auch „Was ist das denn für einer?“ gedacht haben 😀 Die Kombination aus all diesen Sachen reichte mir aus, als dass ich an diesem Auto kein Interesse hatte, dies dem Besitzer so auch kund tat und mich wieder auf den Heimweg machte.

Holden Viva – alle guten Dinge sind vier

Ich wollte eigentlich die Tage noch einen Kia Rio (2007, 200.000 km, Ersatzmotor, Manuell, blau, $3.600, Rego bis Anfang Dezember) besichtigen, zweifelte aber aus der Entfernung daran, dass der Wagen lang genug wäre, um darin schlafen zu können (was beim Fiesta sicher auch schwierig gewesen wäre). Am Dienstag dann erblickte ich beim x-ten Durchstöbern der Anzeigen im Marketplace einen Holden Viva – und traf mich nicht mal eine Stunde später zur Besichtigung und Probefahrt.

Das Auto war aus dem Jahr 2008, hatte bereits 256.590 km hinter sich (für Australien ist das nicht sonderlich viel), Automatik, weiß, $4.200 und Rego bis Februar 2024. Die Wagon-Form und damit die Länge machten es perfekt für eine Matratze im hinteren Teil. Der Wagen gehörte einem älteren Pärchen, die ihren Viertwagen loswerden wollten, da sie damit aufgrund der geringen Bodenhöhe nicht überall auf ihren Hof kamen. Das hatten sie beim Kauf nur wenige Monate zuvor wohl nicht bedacht.

Mein Holden Viva

Optisch sah das Auto na ja aus. Es gab einiges an Kratzern, einiges an Dreck (auch teilweise welchen, den meine kurze Autowäsche nach dem Kauf nicht rausbekam) und am Seitenspiegel rechts fehlte ein kleines Stück der Abdeckung. Innen hingegen war der Wagen ziemlich sauber und in einem guten Zustand. Am Motor hatte mein Bauchgefühl auch nichts auszusetzen, weder meine Augen noch meine Ohren. Der Wagen war vor kurzem noch beim Service, wo Öl, etc. gewechselt wurden, zudem wurde auch die Steuerkette gewechselt, wofür es aber keine Belege gab (war dann wohl günstiger – oder für mich teurer…). Wir machten eine Probefahrt – die beiden waren übrigens die einzigen, die mich zumindest nach einem Führerschein fragten – bei der ich zwar den Tempomaten aus dem Drittzubehör noch nicht in seiner Funktionsweise verstanden hatte, aber sonst mich tatsächlich ganz gut in dem Wagen sehen konnte.

Wieder zurück auf dem Parkplatz begutachtete ich den Wagen noch ein wenig und versuchte zu realisieren, dass ich mir gerade wirklich ein Auto in Australien kaufen würde. Diesen Gedanken irgendwie verstanden einigten wir uns auf $4.000 und fuhren in die Nähe deren Hofes, wo wir ganz stylisch auf einer gelben Tonne die Formularitäten abwickelten. Während sie den Zweitschlüssel und ihr Kreditkarten-Gerät holte (die beiden verkaufen regelmäßig Sachen auf dem lokalen Markt und haben daher eins, was mir sehr zu Gute kam, da ich sonst erst zur Bank gemusst hätte), unterhielt ich mich ein wenig mit dem Ehemann, der aus Neuseeland kommend lange mit einem Zirkus unterwegs war und in Australien unter anderem Kamele betreut hatte, auf denen man im Rahmen einer touristischen Attraktion am Strang entlang spazieren konnte. Ganz stolz zeigte er mir auch Fotos davon, während ich mich fragte, ob ich zwischendurch in Afrika gelandet wäre.

Papiere und Ummeldung

Am nächsten Tag ging es für mich dann zu Service NSW, im Endeffekt einer Behörde, die fast alles an Bürokratie von Bürgern des Staates New South Wales bearbeitete – von der KFZ- und Bootszulassung über Gewerbean- und ummeldungen, Geburten/Tod bishin zu bildungsrelevanten Themen. Bis auf die Parkplatzsuche – da das Büro inmitten der Stadt lag – hatte das ganze nicht viel mit einem Besuch eines ähnlichen Büros in Deutschland zu tun: Eingetreten wählte ich an einem Touchscreen mein Anliegen, zog eine Wartenummer (wobei ich diesen Automaten fast übersehen hätte, so unscheinbar wie er da stand) und rund zehn Minuten später stand ich vor einem von zehn offen gehaltenen Schaltern, die ich während der Wartezeit beobachten konnte, da alles das in einem vielleicht etwas kompakten, aber dafür hell erleuchteten sowie offen und freundlich gestalteten Raum ablief – eine Formulierung, die ich beispielsweise für die KFZ-Zulassungsstelle in Bonn nie im Leben benutzen würde. Wer nicht warten konnte oder wollte, konnte übrigens auch im Voraus online einen Termin machen, wobei die durchschnittlichen Wartezeiten ohne Termin online je nach Besuchszeit angegeben waren und bei maximal 15 Minuten lagen. Wenn man einen Termin brauchte, bekam man ihn morgens noch für den Nachmittag und ansonsten immer für den nachfolgenden Tag – und nicht erst vier Wochen später…

Der ganze Ummelde-Vorgang dauerte rund 15 Minuten. Dies war insbesondere deshalb so lang, weil der Sachbearbeiter mich zuerst als Customer anlegen musste, wofür er auf ein DIN A4-Blatt meinen Reisepass kopierte, dazu Name der Bank, Typ und Ablaufdatum meiner australischen Bankkarte (die als zweiter Identitätsnachweis galt) händisch ergänzte und das mit Stempel und Signatur unterschrieb. Diese Prozedur musste er für die Ummeldung des Autos ein zweites Mal erledigen, währenddessen durfte ich einen DIN A3-Bogen für die Fahrzeugummeldung ausfüllen. Das klingt viel, allerdings war das ein sehr generischer Bogen für An-, Ab- und Ummeldung, sodass ich am Ende vielleicht ein Viertel davon wirklich ausfüllen musste.

Das letzte notwendige Dokument war nun noch der Zulassungs-/Überschreibungsschein des Fahrzeugs. Anstatt des bürokratischen Aufwands mit einer Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 gibt es in Australien nur eine DIN A4-Seite, die auf der Vorderseite die Zulassung (die bereits erwähnte Rego, siehe nächsten Abschnitt) des Wagens mit allen notwendigen Daten beinhaltet und auf der Rückseite ein vorgedrucktes Formular für den Fall, dass man das Auto verkauft. Beim Verkauf wird der Schein auf der Rückseite ausgefüllt, der alte Autobesitzer bekommt die obere Hälfte und muss damit Service NSW den Verkauf melden, während ich – also der Käufer – mit der unteren Hälfte die Ummeldung durchführen kann. Bei erfolgreicher Ummeldung bekomme ich ein selbiges DIN A4-Blatt für meinen irgendwann stattfindenden Verkauf.

Und ja, Bürokratie kann so simpel sein, denn das ist alles an Papierkram im Rahmen einer Auto-Ummeldung in New South Wales. Wäre ich bereits ein Customer gewesen, hätte ich den DIN A3-Bogen wohl nicht ausfüllen müssen und das ganze hätte nicht einmal fünf Minuten gedauert. Das beste fand ich, als der Sachbearbeiter zwischendurch den Kommentar abgab, dass das so viel Papier wäre und ihm das Leid tat. Ich grinste nur und verzichtete einen Vergleich zur deutschen Bürokratie.

Rego und Versicherung (Teil 1)

Im Detail findet sich im Hintergrund beim Betrieb eines Autos in Australien dann doch noch etwas mehr Bürokratie. Neben einer Zulassung (meist nur Rego) benötigt es natürlich auch eine Versicherung (Insurance, auch Compulsory Third Party Insurance, CTP oder Green Slip genannt). Die Rego gibt es für Zeiträume von drei, sechs oder zwölf Monaten, danach muss diese erneuert werden (was aber in vielen Fällen auch online geht). Je nach Alter des Autos muss dieses dabei einer technischen Inspektion unterzogen werden (Pink Slip, analog zum TÜV in Deutschland), wobei ich das Gefühl habe, dass diese weniger streng ist als der TÜV. Wenn man ein Auto verkauft, verkauft man die Rego auch mit und der Zeitraum seit der letzten technischen Überprüfung ist bei einer langen noch vorhandenen Rego dementsprechend kurz, bzw. bis zur nächsten Überprüfung lang, was beides finanziell gut ist. Eine vor kurzem durchgeführte bestandene Inspektion deutet zumindest darauf hin, dass die wichtigsten Betriebsteile (beispielsweise Bremsen) in einem guten Zustand sind.

Die Versicherung ist in allen Staaten Australiens Pflicht (was in der Welt nicht ganz selbstverständlich ist) und in den meisten Staaten Teil der Rego und vom Staat organisiert. Lediglich in New South Wales muss diese separat erworben werden (analog der deutschen eVB-Nummer), aber wie die Rego ist auch die Versicherung an das Auto gebunden und wird mit dem Verkauf des Autos mitübertragen.

Kostentechnisch (ich kann hier nur für NSW sprechen) hängen Rego und Versicherung teilweise unter anderem vom Fahrzeugwert ab, der beim Kauf des Autos auf der Rückseite der Rego angegeben wird. Zum Berechnen der voraussichtlichen Kosten gibt es ein Online-Tool, für welches die Eingabe des Kennzeichens und der letzten vier Stellen der VIN-Nummer (Fahrzeugidentifikationsnummer) notwendig ist. Für allgemeine Rego-Daten zu einem in NSW zugelassenen Auto gibt es auch ein Online-Tool, welches lediglich die Eingabe des Kennzeichens erfordert (dort steht auch das Ende der VIN für das erste Formular; denke Dir hier den Seitenhieb zur fehlenden Existenz solcher Tools in Deutschland). Bei meinem Holden Viva lagen die Kosten für die Rego bei $405 pro Jahr (ca. 250€, kürzere Zeiträume anteilig), die Ummeldung kostete $155 (ca. 95€) und der Green Slip für ein Jahr bei NRMA etwa $520 pro Jahr (ca. 320€). Der Kauf meines Autos beinhaltete demnach bereits Rego- und Versicherungskosten von etwa $540.

Versicherung (Teil 2) und Roadside Assistance

Mit all diesen Kosten durfte ich mein Auto somit bis Februar 2024 legal in Australien fahren (Führerschein vorausgesetzt) und habe jemanden, der bei Personenschäden im Falle eines Unfalls haftet. Für Sachschäden haftet die Compulsory Third Party Insurance nämlich nicht, weshalb ich mir noch eine Third Party Property Damage (TPPD) abgeschlossen hatte, womit ich dann einen Schutz von Personen- und Sachschäden analog zur deutschen Haftpflichtversicherung habe. Auf die Kasko-Varianten (Third Party Fire & Theft Car Insurance für Feuer und Diebstahl sowie Comprehensive Car Insurance für alle Schäden am eigenen Wagen) habe ich bei dem Wert meines Fahrzeugs verzichtet, insbesondere als ich gelesen habe, dass die Versicherung auch bis zu $5.000 an Schaden abdeckt, falls ich in einen unverschuldeten Unfall verwickelt bin und der Verursacher keinen entsprechenden Versicherungsschutz hat.

Zusammen mit der Roadside Assistance, der australischen Version der Pannenhilfe, hat mich beides bei NRMA (quasi dem ADAC in Australien) für ein Jahr $385 (ca. 235€) gekostet, womit sich meine gesamten Fahrzeug-Kaufkosten nun auf $4.547 (ca. 2.770€) belaufen (inklusive $7 für die Autowäsche 😀 ). Es sei erwähnt, dass es hier auch noch diverse andere Anbieter gibt, zum Beispiel bieten neben in Deutschland bekannten Namen wie Allianz auch die Banken wie Westpac TPPD-Versicherungen an, wobei bei meinen Vergleichen die Kosten weitestgehend ähnlich waren und man bei NRMA einen Rabatt bekam, wenn man Versicherung und Pannenhilfe zusammen buchte – auch wieder analog zum ADAC in Deutschland.

Mit einem relativ überschaubaren Aufwand hatte ich so meinen eigenen fahrbaren Untersatz, war nach rund zwei Monaten reinem zu Fuß gehen endlich wieder mobil und hatte ein wenig bereut, dass ich mir nicht schon früher ein Auto gesucht hatte. Aber so konnte ich in der letzten Woche in Coffs Harbour zumindest einige Stellen erkunden, die zu Fuß nicht erreichbar oder zu weit weg waren…

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