Mit dem Caddy-Minicamper auf Standheizungs-Probefahrt – Teil 1: Wandern am Laacher See

Dieser Blogeintrag schließt sich chronologisch gesehen zwar an meine erste Camper-Probetour an (ich habe währenddessen mit dem Auto nicht großartig was anderes gemacht), dazwischen liegen aber rund drei Monate, die ich neben der Jobfindungsphase primär dazu genutzt habe, um dem Caddy eine Standheizung zu spendieren (mehr dazu siehe hier). Nach dem erfolgreichen Einbau konnte es also an die erste Probefahrt gehen, wozu der kühle November auch mehr als eingeladen hat. Da ich mich bei dieser Testfahrt für den Fall der Fälle nicht allzu weit von zu Hause entfernen wollte (und zeitlich auch nicht konnte), habe ich mir die Eifel als Zielregion ausgeschaut und mir dieses Mal auch vorgenommen, ein wenig mehr Bewegung in den Tagesplan zu integrieren, sofern es das Wetter zuließ.

Am 17. November ging es in die Nähe vom Laacher See, dessen Region ich bisher nur von einer Schullandheimfahrt in der dritten Klasse kannte. Damals waren wir unter anderem im Kloster Maria Laach, bei der Burg Brohl und ich meine auch in irgendwelchen Höhlen der Vulkangegend, wobei ich mich daran nicht mehr ganz erinnern kann. Der Weg dorthin jetzt einige Jahre später führte mich über die A61 und weil ich ein wenig entschleunigen und auf meinen Spritverbrauch achten wollte, legte ich den Weg in LKW-Geschwindigkeit zurück: Ich fuhr in etwa mit 90-95 km/h Tachogeschwindigkeit und suchte mir immer einen vorzugsweise leeren LKW, der diese Geschwindigkeit auch bergauf halbwegs halten kann, sodass ich keine Steigungen mit teils 60/70 km/h zurückgelegen musste. Eine Art des Vorankommens, an die ich mich schneller gewöhnte, als mir lieb war 😀

Einen kleinen Zwischenhalt zum Frühstück machte ich bei Kerpen am Denkmal des ehemaligen Ortskerns von Mödrath, einer Ortschaft, die im Zuge des Kohletagebaus in den Jahren 1958-1962 umgesiedelt wurde, aber bereits bis ins 13. Jahrhundert geschichtlich verzeichnet war. Außer einer Steintafel und einem Gedenkkreuz war von dem Ort tatsächlich auch nicht mehr viel übrig geblieben und der dazugehörige Parkplatz war auch nur bedingt einladend, da an diesem diverse Autos geparkt waren, in denen die Fahrer auf die Erlösung oder einen Segenspruch – oder keine Ahnung was – warteten; zudem war der Parkplatz ziemlich zugemüllt, da ich allein um mein Auto eine zertretene Brille und ein pinkes Kondom fand – und an beidem war ich unbeteiligt!

Erinnerungstafel an Alt-Mödrath
Ein Foto oder Kunst - auf jeden Fall viel Müll

Nach dieser bescheidenen Frühstücksatmosphäre ging es dann aber endlich zum Laacher See, wo ich wieder die Herausforderung der Stellplatzsuche hatte, bei welcher ich an dieser Stelle einige Punkte abwägen musste, da mich dieses Thema damals immer noch ein wenig stresste. Zum einen möchte ich auf einem potenziellen Platz selbst meine Ruhe haben, zum anderen möchte ich auch niemanden anderen großartig stören, insbesondere Anwohner. Daher suche ich immer Plätze abseits von Ortschaften, wobei man dort dann auf Wanderer und Leute trifft, die mit ihren Hunden Gassi fahren & gehen – mir war bis vor kurzem gar nicht bewusst, wie viele das scheinbar machen. Last but not least bemühe ich mich dann auch noch, im Einklang mit dem Gesetz zu stehen und auf das Übernachten in Natur- und Landschaftsschutzgebieten zu verzichten, auch wenn ich das mit meinem Auto, welches nicht wirklich als Camper auffällt und keinerlei Campingverhalten miteinschließt (ich stelle keine Stühle auf, hinterlasse keinen Müll, etc.) nicht ganz so eng sehe oder nachvollziehen kann. Im Fall des Laacher See war das auch nicht anders machbar, sodass ich eine Nacht auf einem Wanderparkplatz am Rande des Naturschutzgebietes geparkt hatte. Dort angekommen erkundete ich bei eintretender Dunkelheit „ein wenig“ den Wald um den Platz herum und erhaschte einen ersten Blick auf den Laacher See, ehe ich den Abend mit einer Portion Käsespätzle ausklingen ließ.

Erster Spaziergang zum Laacher See
Die Ahrefeld-Hütte
Von weitem ist der See schon zu sehen...
...und irgendwann auch von nahem.

Der Pellenzer Seepfad

Am nächsten Morgen war ich zeitig wach und auf den Beinen, denn es ging nach einem kleinen Frühstück ins benachbarte Nickenich, von wo aus ich den Pellenzer Seepfad antreten wollte. Meine letzte Wanderung war schon etwas länger her und ich hatte mich auf Outdooractive nach verschiedenen nicht ganz so langen und auch nicht ganz so schweren Wanderstrecken umgeschaut, wo ich auf jenen Pfad gestoßen bin. Dessen Strecke mit knapp 16 Kilometern und berechneter Zeit von fünf Stunden schien mir dabei durchaus herausfordernd sein zu können, was sich am Ende auch als solches herausstellte.

Mein Stellplatz für die Nacht
Los gehts am Tumulus von Nickenich
Die Aschewand
Tagebau am Eppelsberg

Los ging es um halb zehn morgens am Tumulus von Nickenich, der Rekonstruktion eines römischen Grabmals an dem Parkplatz, an dem der Pfad startete. Dort startete auch der erste Anstieg zur Aschewand, einer schwarzen Wand, die der Vulkan des Laacher See vor mehreren tausend Jahren dagelassen hatte und dort merkte ich auch meine fehlende Kondition zum ersten – aber definitiv nicht letzten – Mal an diesem Tag. Immerhin war es schön sonnig und mit dem ganzen Herbstlaub am Boden sorgte das für eine beeindruckend bunte Stimmung, die sich nur teilweise auf Bildern festhalten ließ, auch wenn ich dafür meine Kamera einsetzte. Hier gab es an einigen Stellen schon echt schöne Aussichten auf das Tal und den anliegenden Tagebau am Eppelsberg, doch wurden diese von dem Ausblick auf der Teufelskanzel noch deutlich überboten.

Den alpinen Weg bergauf
Irgendwo in den Bäumen... :D

Um dort hinauf zu kommen, teilte sich irgendwann der Weg und ein Stück war ausgeschildert als „alpine Streckenführung“, die eine Trittsicherheit erforderlich machte. In dem Moment dachte ich an meine nahezu profillosen Schuhe und an den ganzen Laub, der auf den Wegen lag und sah mir auf der an dem Schild angebrachten Karte den leichten Alternativweg an, entschied mich am Ende aufgrund der Trockenheit des Laubes, Ehrgeiz und vielleicht auch aufgrund von Faulheit, hier einige Kilometer zu sparen, für den alpinen Weg, an dessen Ende ich mir gerne einen See oder eine Dusche gewünscht hätte.

Dieser Anblick gab mir ein wenig zu denken...
Am Ende lohnt sich der Aufstieg immer - so auch hier

Der Weg war insgesamt jedoch gut machbar und ich habe ihn auch gut gemeistert, wobei ich das bei anderen Witterungsverhältnissen eher nicht geschafft hätte. Die Steigungen waren teilweise schon ordentlich (bis zu schätzungsweise 100%) und auf der Seite winkte einem immer ein wenig der ungesicherte Abhang entgegen. Aber ich hatte irgendwann in fünf Minuten Entfernung zwei Wanderer gehört, die mit einem Hund meinem Weg folgten, sodass ich wusste, im Notfall würde mir jemand zumindest in der Theorie helfen können. Dazu kam es glücklicherweise nicht und schweißgebadet kam ich nach 20 Minuten an der Spitze an:

An Kuriosität auf dem Weg hoch sei eine Stelle zu erwähnen, an der auf einer Absperrung einige verlassene Kleidungsstücke lagen. Aber ich konnte keinen wirklichen Weg hinter der Absperrung sehen und beließ es bei Das wird schon so seine Richtigkeit haben. Auf dem Foto ist zudem der Krufter Waldsee zu sehen, an dem der Seepfad auch entlangführt, den ich aber trotz der Beschilderung irgendwie verpeilt haben muss; vermutlich kurz nach der Kindergruppe, die ein Tipi gebaut hatte. Das ist mir allerdings so spät aufgefallen, dass ich über einen alternativen Weg dran vorbeigegangen bin und am richtigen Weg angekommen auch wieder ein Stück zurückgegangen bin. Als ich dann aber gesehen hatte, wie weit ich zum See hätte runter- und später wieder hochgehen müssen, habe ich darauf verzichtet und in wohl weiser Voraussicht der alpinen Streckenführung Energie gespart.

Wieder zurück im Tal...
...war es dann zumindest einen Teil des Weges grün
...und mit dem Laacher See himself dann auch blau
...und sonnig

Von der Teufelskanzel ging es einen sehr sehr sehr langen und entspannten Abstieg hinunter bis nahezu direkt an den Laacher See, an dem der Pfad die nächsten Kilometer entlang führte. Aufgrund der Corona-Lage und dem sonnigen Wetter waren die Spazierwege hier wirklich sehr gut besucht und fast schon zu voll. Nach einer kleinen Bananenstärkung war ich sehr froh, als der Pfad nach einigen Kilometern wieder vom großen Weg abging und in den Wald eintauchte, wo der dritte und auch letzte größere Anstieg auf mich wartete. Dieser war mir nicht unbekannt, denn ich hatte ihn bei dem kleinen Spaziergang zum Laacher See am Nachmittag zuvor bereits bergab bestritten und wusste dementsprechend, was auf mich zukam.

Der Baumstamm lud als Sitzplatz zur Pause ein
Ein letzter Blick zurück

Nach einem letzten Blick zurück auf den See ging es vorbei an der ebenfalls vom Vortag bekannten Ahrefeld-Hütte über die Landstraße und anschließend über einen eher leeren Feld- und Waldweg entlang am keltischen Baumkreis zu den Überresten der Heimschule am Laacher See. Die 1928 eröffnete Schule, seinerzeit Gymnasium und Realgymnasium in einem, hatte nur eine sehr kurze Lehrzeit von rund sieben Jahren, da sie bereits 1934 im Zuge der Machtübernahme durch die Nazionalsozialisten und der Streichung der Gelder geschlossen werden musste. Anschließend fungierte sie als „Heimstätte für Mädchen“, in welcher jene ihr Landjahr absolvieren konnten; ein Pflichtjahr, in welchem sie in der Landwirtschaft arbeiten mussten, gleichzeitig aber auch eine nationalpolitische Schulung erhielten (Quelle). Seit der Belegung durch die V1-Truppe am Ende des zweiten Weltkrieges steht das Gebäude leer und ist mittlerweile nur noch eine Ruine, quasi das erste „Lost Place“, an dem ich mal vorbeigekommen bin.

Über die Straße ging es zum letzten Drittel des Pfads
Ausblick auf das Siebengebirge
Die Heimschule am Laacher See
Irgendwann wurde meine Stimmung sehr weihnachtlich :D
Langsam wieder zurück nach Nickenich
Hier gab es wenig Wald und dafür viele weite grüne Felder
Der Ort Nickenich
Die kleine Kapelle

Nach einigen Panoramaaufnahmen des Siebengebirges ging es nun noch durch ein Waldstück und am nördlichen Rand von Nickenich vorbei bis zum Ausgangspunkt des Pfads, den ich mit leichten Umwegen und daher insgesamt 17 Kilometer Strecke in etwas über sechs Stunden zurückgelegt habe – ein Marsch, von dem mir noch die kommenden Tage so wirklich alles weh tat 😀

Anhand der Markierungen konnte man immer gut dem Weg folgen

Am Aussichtspunkt Krahnenberg

Wieder heile am Auto angekommen musste ich erstmal ein wenig durchatmen und realisieren was ich unsportliches Wesen da tatsächlich zustande gebracht hatte, ehe ich mich ein klein wenig in Richtung Osten an den Rhein und in die Stadt Andernach begab. In park4night war hier ein Camper-Stellplatz ausgewiesen, an dem es auch Frischwasser und Strom geben sollte und zumindest ersteres musste langsam wieder aufgefüllt werden, da sich mein 19 Liter-Tank so langsam dem Ende neigte. Der Stellplatz selbst war nur ein einfacher Parkplatz am monte mare, doch leider waren die Anschlüsse für Wasser und Strom vermutlich im Zusammenhang mit dem touristischen Beherbergungsverbot aufgrund der Pandemie-Lage abgeschaltet.

Herbstliche Stimmung in Andernach
Aussicht in Richtung Bonn
Das alte Restaurant Krahnenberg
Am Aussichtspunkt gab es einen "Fotorahmen"
Aussicht in Richtung Koblenz
Der Stellplatz für die Nacht

Unerledigter Dinge suchte ich daher für den Rest des Tages den Aussichtspunkt Krahnenberg auf, welcher nur wenige Kilometer vom Stellplatz entfernt war und zu dem eine unfassbar steile und enge Straße hinaufführte. Dies hatte seinen guten Grund, denn vom Aussichtspunkt hatte man einen wunderschönen Ausblick auf das Rheintal, die Stadt Andernach und die Weinberge und so begab ich mich dort direkt hin und parkte nach einer kurzen Erkundungstour auch mein Auto um, da ich den Parkplatz am ehemaligen Restaurant Krahnenberg deutlich ruhiger fand als am ersten Aussichtspunkt, den ich dort fand.

Das Traumpfädchen Kleiner Stern, ein kleiner knapp sieben Kilometer langer Wanderweg, welcher an diesem Aussichtspunkt vorbeiging, war zwar sehr verlockend, die Wettervorhersage für den nächsten Tag war es aber nicht und so entschied ich mich bei der Planung für die weiteren Tage dagegen und beschloss, erst einmal meinen knurrenden Magen nach der langen Tagestour zu besänftigen, was mit einem unspektakulären Reistopf geschah.

Am Abend ging es dann nochmal zum Aussichtspunkt, denn bei Dunkelheit und mit all den Lichtern sah das Ganze noch viel schöner aus, aber was erzähle ich denn; Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte (links mit der Nachtsicht-Funktion des Pixel 3a, rechts mit der Sony DSC-RX100 III):

Aussicht in Richtung Süden (Pixel 3a)
Aussicht in Richtung Süden (Sony DSC-RX100 III)

Während dieses Tages kam ich übrigens zu der Erkenntnis, wie viel einfacher so manch Unterfangen auf einer solchen Camper-Tour wäre, wenn Restaurants offen hätten – oder es in Deutschland mehr öffentlichen stille Örtchen gäbe. Aber für diesen Fall hatte ich vorgesorgt und einen Spaten in meiner Ausstattung dabei… 😀

Kreative Ideen zur Wasserbeschaffung

Am nächsten Tag hatte ich nach einem regnerischen Start und einem gemütlichen Frühstück immer noch das Wasserproblem, zudem wollte ich einige Sachen ins Internet hochladen und mir für die nächsten Tage auch einige Videos herunterladen. Ich entschied mich also dazu, den McDonald’s in Andernach aufzusuchen, wo ich die drei Stunden kostenfreies WLAN vom Parkplatz aus benutzte. Das Lokal lag direkt an der Hauptstraße, sodass Ruhe ein eher relativer Begriff war.

Direkt neben dem Fast Food-Restaurant war aber eine SB-Waschanlage, die auch die Möglichkeit hatte, Wasser in einen Eimer zu füllen, falls man das Auto mit Schwamm und Wasser gründlicher saubermachen wollte als mit den in den Waschboxen vorhandenen Werkzeugen. Ich rief also kurz beim Betreiber der Waschanlage an, da ich vor Ort niemand Verantwortlichen antreffen konnte und fragte nach, ob es sich bei dem Wasser um Trinkwasser handeln würde. Dies wurde mir bejaht und so konnte ich meinen Wassertank bei leichtem einsetzenden Nieselregen ausbauen und mit 10 Litern Frischwasser füllen. Das kostete an sich 50 Cent, aber bei dem Staubsauger, bei dem ich geparkt hatte, hatte jemand seine 50 Cent-Münze vergessen, sodass ich am Ende doch nichts dafür zahlen musste und das Wasserproblem fürs erste endlich gelöst hatte.

Es konnte nun also ein wenig in Richtung Norden gehen zu einem Abenteuer der ganz besonderen Art, welches ich vermutlich nicht so schnell vergessen werde – aber dazu im nächsten Teil mehr… 😀

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