Die erste Tour mit dem Caddy-Minicamper I: Die erste Übernachtung

Nach rund vier Monaten Bauzeit – mit mehreren Pausen – konnte es am Donnerstag, den 20. August dann endlich auf zur ersten Probe-Übernachtung gehen. Ich hatte mich die Tage zuvor noch mit dem letzten nötigen Equipment ausgerüstet und durfte vor der Fahrt noch drei Mal von der Wohnung zum Auto laufen, um diverses Zeug von oben nach unten zu transportieren, welches ich auch gleich versucht hatte ein wenig zu organisieren. Dies stellte sich auch als das schwierigste hinaus, doch dazu später mehr.

Fertiges Gepäck für die erste Tour - damals noch ohne Bettzeug im Auto

Ehe ich mich so richtig auf den Weg machte, warf ich bei real noch einen Blick nach Flechtkörben, die nicht aus Plastik sind, fand dort dann aber „nur“ einen Milchtopf, den ich schon länger gesucht hatte, machte noch einen kleineren Lebensmitteleinkauf und holte das letzte Teil vom VW-Händler ab, was mir fehlte. Wozu mir genau ein Schraubenschlüssel nötig sein wird, wenn ich sowieso kein Ersatzrad dabei habe, sei dahingestellt, aber es wird irgendwann sicher den einen Tag geben, wo ich mir denken werde: Gut, dass Du damals die 7,80 investiert hast. Irgendwann. Vielleicht.

Über Umwege ans erste Ziel

Alle drei Lokalitäten abgeklappert konnte es ENDLICH losgehen, es war mittlerweile auch schon 12 Uhr. Ach so, wohin überhaupt ist womöglich noch erwähnenswert: Es ging an die deutsche Nordsee. Diese hatte ich das letzte Mal im September 2017 besucht und sie liegt auf dem Weg, wenn man von Krefeld nach Braunschweig fährt. Oder so. Die grobe Route führte mich von der A57 auf die A31 und diese ganz bis nach Emden hoch und dann über ein paar Landstraßen an den beim „Trockenstrand“ gelegenen Parkplatz in Krummhörn.

Während der Fahrt, die ich bekanntlich ohne Navigation, sondern höchstens mit Google Maps offen durchführe, entschied ich mich über die B58 und die Orte Alpen und Wesel „abzukürzen“, um der heiß geliebten A3/A2 aus dem Weg zu gehen. In Wesel schlug mir Google dann einen Weg durch die Niederlande vor, sodass ich am Ende über Bocholt, Aalten, Groenlo und Enschede gefahren bin. Immer mal wieder verließ ich dabei die Bundesstraßen auf der Suche nach einem ruhigen Ort, wo ich was kleines im Auto essen könnte, doch war das zumindest in dieser Ecke der Niederlande verdammt schwer und ich verließ mit immer noch Hunger das Nachbarland und machte im Anschluss auf der A31 eine kleine Pause an einem Rastplatz. Bis dahin hatte ich für 180km stolze drei Stunden bei etwa 60 km/h Durchschnitt und einem geringen Verbrauch von 5,6 Litern Super auf 100km gebraucht.

Der sonstige Weg nach Emden und weiter nach Krummhörn war nicht weiter spannend, der Himmel klarte jedoch immer weiter auf, je näher ich der Küste kam. An der Küste angekommen, erledigte ich erstmal die zwei organisatorischen Dinge und zwar das Ziehen eines Parkscheins, da der Parkplatz zwischen 8 und 21 Uhr kostenpflichtig war sowie der Besuch der öffentlichen Waschräume am Kiosk beim Parkautomaten. Es war erst 17 Uhr, aber ich hatte nur zwei Euro in Münzen, sodass ich auch nur für zwei Stunden einen Schein lösen konnte. Sicher hätte ich Geld wechseln können, aber für den Fakt, dass die Waschräume nur zwischen 11 und 17 Uhr offen waren, fand ich das irgendwie nicht fair und verzichtete. Auch wurde ich wieder daran erinnert, dass man bei Toiletten, die zu einem Gebäude gehörten, ja einen Mundschutz anziehen muss. Habe ich schon bei der untragbar schlechten Sanifair-Toilette auf der A2 einen Monat davor nicht verstanden, vor allem, wenn man sich sein Gesicht waschen möchte, aber nun ja…

Erstes Luft holen am deutschen Wattenmeer seit drei Jahren
Leider war der Leuchtturm in Krummhörn gerade wegen Renovierung ummantelt
Blick auf den Damm und den Weg am Meer
Am Leuchtturm vorbei ging es über einige Feldwege wieder zurück

Auf jeden Fall ging es erleichtert und lediglich mit Sonnenbrille bewaffnet auf den Deich. Dieser wird gelegentlich als Weidefläche für Schafe benutzt, sodass der Deich komplett umzäunt ist und an den Zugängen schwere Metalltore mit einer Feder platziert wurden, die ein Schaf vermutlich wohl nicht öffnen kann. Anschließend ging es den Deich die Treppe hinauf und ich erblickte die Nordsee, die gerade auf Ebbe zusteuerte.
Ich genoss die leichte Brise bei immer stärker werdender Sonne und machte mich auf den Weg die Küste entlang in Richtung Süden. Dort sollte noch ein anderer Parkplatz sein, den ich mir anschauen wollte, zudem war dort der Campener Leuchtturm. Wie ich nach rund 40 Minuten sehr gemütlichem Fußmarsch erfahren durfte, ist es der höchste Leuchtturm Deutschlands, der aktuell aufgrund von Renovierungsarbeiten nicht bestiegen werden kann. Diese Arbeiten waren schon von weitem hörbar, denn der Turm war komplett verkleidet und wurde gesandstrahlt, damit später eine neue Schicht Farbe angebracht werden kann. Die Arbeitsgeräusche – vergleichbar, wie wenn man neben einem laufenden Staubsauger steht – haben die Ruhe am Meer ein wenig getrübt. Dafür war der Schichtwechsel oder die kurze Pause um fünf vor sechs umso besser.

Auch hier war der Leuchtturm natürlich wieder zu sehen - und zu hören
Juhuu, noch mehr Feldwege
Gelegentlich gab es auch tierischen Besuch auf dem Weg
Von diesem Wende- äh Parkplatz war ich sehr fasziniert
Der Damm zur anderen Seite hin
Die Seite zum Meer hat mir natürlich besser gefallen

Der Parkplatz am Leuchtturm erschien mir kleiner und putziger, aber durch die Arbeitsgeräusche nicht so wirklich zum Nächtigen geeignet, sodass ich mich über einen Feldweg und anschließend wieder am Deich entlang zurück zu meinem Auto machte. Trotz meines mittlerweile immer größer werdenden Hungers musste ich noch einen Stop einlegen und zwar beim Wattenmeer.

Ein kurzer Abstecher ins Wattenmeer und die erste Mahlzeit

Ich muss ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein, als wir mal für zwei Wochen auf Amrum waren und dort einige Wattwanderungen erlebt haben. Wie ein Sprung in die Vergangenheit fühlte sich das an, als ich mich irgendwann dazu entschied, dass ich meine Füße schon irgendwie sauber bekomme und ein wenig an der Küste im Watt herumstolzierte immer mit der Herausforderung, nicht auszurutschen oder einzusinken. Auf diesem Weg gab es einige Würmer, Krebse und diverse Muscheln zu sehen und hier wäre natürlich wie vor 15 Jahren jemand toll, der mehr dazu erzählen könnte. Es gab einige hundert Meter weiter zwar gerade zwei Watttouren, aber da ich den Anfang verpasst hatte und mich auch nicht einfach dazustellen wollte, entschied ich mich nach einer kurzen Pause im Gras, um den Schlamm etwas abzuschütteln, wieder zum Auto zu gehen. An dem besagten – mittlerweile geschlossenen Kiosk waren außen noch einige offenen Duschen und auch Wasserhähne, sodass ich mir dort die Füße immerhin verünftig saubermachen konnte. Wobei ich es schon komisch finde, dass das Duschen immer möglich ist, aber die Toiletten abgesperrt werden.

Der Blick aufs Wattenmeer war schon verlockend...
...sodass ich mich auch selbst ins rutschige begab. Glücklicherweise bin ich bis zum Ende auf den Beinen geblieben
Das Gras diente nachfolgend zum Saubermachen, wobei es an der Strandhütte auch noch eine Fußdusche gab
Zwei Wattführer schrien sich gegeneinander zu ihren Gruppen an, während ich mich im Gras trocknete
Ausblick auf den Parkplatz, zu dem es mit großem Hunger nun auch wieder zurück ging

Im Auto angekommen musste der Hunger gestillt werden. Dafür spülte ich ein wenig den vorhin erworbenen Milchtopf und kochte im Verhältnis 2:1 eine halbe Tasse Reis. Das dauerte primär deshalb solange, weil ich trotz Anleitung nicht verstand, wie ich den Gaskocher einschaltete. Dies geschieht in dem man den Drehregler nach ganz ganz unten dreht, sodass ein Funken das strömende Gas anzünden kann. Danach dient der Regler zum Einstellen der Intensität. Erst nach einem halben Dutzend Versuchen fand ich aber heraus, dass man den Regler eben noch ein Stück weiter entgegen einem Widerstand drehen muss, um diesen Funken zu verursachen. Und ich überlegte in dem Moment, wie naiv ich denn war, dass ich den Gaskocher vorher nicht mal getestet hatte… 😀

Wieder am Auto angekommen gab es erstmal was zu Essen

Zu dem Reis gab es noch Paprika, Tomate, Mortadella und die Kühne Hot Chili Sauce, die ich zu Hause noch offen stehen hatte. Versehen mit Paprikapulver, Salz und Pfeffer ein ganz unspektakuläres Gericht, aber eben auch nichts, was man groß verhauen kann. Fertig gekocht musste ich noch ein wenig warten, da der Griff des Milchtopfs sehr heiß war. Das traf sich aber ganz gut, denn sobald der Griff abgekühlt ist, ist das Essen auch ideal so warm, dass es genießbar ist und man sich dabei nicht den Mund verbrennt.

Beim Rausholen des Bestecks entdeckte ich auch meinen Schwamm wieder, den ich zwischendurch gesucht hatte, und konnte nun kurz den Abwasch machen, so ziemlich alles wieder wegräumen und mich zum Sonnenuntergang nochmal zum Deich hoch bewegen. Ich setzte mich ins Gras und spazierte nach dem Untergang und nachdem die Leute immer weniger wurden, noch etwas am Deich entlang, ehe ich mich nach der erfolgreichen „Gebüsch“-Suche bei Dunkelheit wieder ins Auto begab und dort das Bett aufbaute. Das ging relativ schnell und unkompliziert, wobei ich auch hier ein wenig mit der Organisatorik zu kämpfen hatte, da ich bereits zu dem Zeitpunkt alles rausholen musste, was ich bis morgen früh brauchen würde. Und ich war mir noch nicht so ganz sicher, was das eigentlich genau sein wird…

Der Sonnenuntergang war trotz des Alleine-Daseins und der Paare um einen herum bildschön...
Genau mein Kitschlevel :D
Die Spiegelung des roten Himmels erweckte im Wattenmeer den Eindruck von Lava...
...die langsam vertrocknete
Nur weil es dunkel wurde, hieß es am benachbarten Feld noch lange nicht Feierabend
Der Damm - ebenfalls Weidefläche - nachdem alle Sonnenuntergang-Interessierten weg waren
Am Horizont ist die Industrie auf holländischer Seite zu sehen...
...manchmal schon schade, dass ich von Bildbearbeitung und Fotografie nicht so viel Ahnung habe und die Automatik des Pixel 3a hier das meiste richten muss

Den Tag schloss ich damit ab, die bisherigen über 1.300 Worte zu schreiben und bei meinem künstlichen Sternenhimmel und offenem Fenster zu beobachten, wie es auf der holländischen Seite hinter dem Deich irgendwann anfing zu gewittern…

Der erste Morgen

Nachdem ich mit dem Schreiben um Mitternacht fertig war, entschied ich mich dann doch mal das Licht auszuschalten und zu schlafen. Das war am Anfang etwas schwer, da ich zum Schlafen die Türen geschlossen hatte und so der Luftzug bei warmen Temperaturen im Inneren sehr gering war und ich ohne Decke zu schlafen immer sehr komisch finde. Für ein bisschen frische Luftaustausch hatte ich zumindest das Beifahrerfenster einen Spalt offen gelassen.

Insgesamt bin ich in der Nacht zweimal wach geworden: Einmal um 2, als ich stärkeren Regen vernommen hatte, der auf das Autodach prasselte. Ein Seite wechseln später war ich aber wieder im Land der Träume versunken, was zumindest bis sechs anhielt. Weitere anderthalb Stunden später um halb acht hatte ich nach dem Wach werden nicht mehr versucht, nochmal einzuschlafen, da es mein Zeitplan nicht wirklich hergab. Ich hatte faszinierenderweise trotz der frühen Uhrzeit einen sehr großen Tatendrang, baute zügig das Bett ab, zog mich an und ging wieder hoch auf den Deich, den ich nun bis auf paar wenige Hunde samt Herrchen oder Frauchen ganz für mich allein hatte. Leider war die Flut um 2 Uhr nachts und am Morgen wieder Ebbe, sodass ich auch dieses Mal keinen Fuß weiter als ins Watt setzen konnte, worauf ich der „Sauerei“ wegen auch verzichtete.

Vom sonnigen Tag zuvor war am Morgen leider nicht mehr viel übrig
Ich hatte die Nacht scheinbar nicht alleine verbracht
Aber den Damm hatte ich kurz vor acht definitiv noch für mich
Auf niederländischer Seite sah es schon schöner aus, leider war das nicht das Ziel des Tages
Ich hatte am Morgen nicht vor ins Watt zu gehen (und Flut war um 2 Uhr nachts), aber selbst wenn wurde der Zugang gut bewacht...
Der Name des Strandkiosks war genau auf meinem Niveau :D

Durch die frische Brise geweckt, mir im Auto noch schnell die Zähne geputzt und mich im Gesicht ein wenig frisch gemacht, ging es nun auch gleich wieder auf die Straße. Das erste der drei Etappenziele heute war Uelzen und ein kleiner Besuch bei Valérie, die ich mittlerweile seit rund zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte. Der Weg dorthin war insbesondere um Bremen herum sehr regnerisch und erst auf der A27 kurz vor Hodenhagen (hihi) bin ich auf einen kleinen Rastplatz abgefahren, um ein wenig zu frühstücken und das wie immer ganz besonders saubere Klo eines deutschen Autobahn-Rastplatzes aufzusuchen. Kurz nach 12 und nach dreieinhalb Stunden Fahrzeit war das kleine Wiedersehen perfekt und in Uelzen war es auch wieder sehr sonnig, was ich – kleiner Charmeur – nicht nur auf das Wetter zurückführen würde, sodass wir es uns mit jeweils einer Bionade bewaffnet im Garten gemütlich machen konnten.

Ein unheimlicher Schlafplatz

Nach leider nur anderthalb Stunden musste ich mich wieder auf den Weg machen, welcher mich nach Braunschweig führte. Dort holte ich nach Kaffee und Kuchen, Kartoffelsalat und Bockwürsten Melina ab, denn jetzt musste die Übernachtungsfähigkeit zu zweit auf die Probe gestellt werden. Und da ich am Samstag zu einer kleinen Versammlung nach Bonn musste, haben wir uns einen Stellplatz auf der Strecke gesucht, genauer gesagt den Waldparkplatz beim Pfannkuchenhaus Coenenmühle. Dieser schien uns aus mehreren Gründen etwas gruselig: Zum einen war er durch die Bäume drumherum komplett dunkel und der Boden durch den Regen im Laufe des Tages sehr feucht; es führte nach einer längeren Serpentinenfahrt über enge und kurvige Waldstraßen eine schmale kleine sehr steile Straße zum Parkplatz hinunter; er war komplett leer und auf dem Parkplatz-Schild stand der Zusatz Benutzung auf eigene Gefahr. Alles kombiniert die besten Rahmenbedingungen für eine Mordgeschichte oder einen Krimi-Thriller. Da auf dem naheliegenden Wanderparkplatz Lindscheid, den wir uns samt der Talsperre noch kurz angeschaut hatten, das Übernachten leider verboten war, entschieden wir uns trotzdem, auf diesem Parkplatz zu verbleiben und die Nacht hier zu verbringen. Zur Talsperre wollten wir je nach Wetter nochmal am nächsten Tag hin.

Also machten wir uns daran, das Bett aufzubauen, da es schon spät geworden war. Beziehungsweise hatte es sich irgendwie so ergeben, dass ich an der Schiebetür auf der Beifahrerseite ins Auto stand und nur delegierte 😀 Mit dem Gepäck für zwei Personen war es nochmal ein größerer organisatorischer Aufwand, das Bett aufzubauen, wobei die Kunst hier wäre, wenn sich beide Personen auch noch im Auto befinden, aber dies haben wir uns für den ersten regnerischen Abend aufgehoben.

Das Bett aufgebaut und noch ein Stück Kuchen verspeist, welcher uns als Proviant auf den Weg „mitaufgezwungen“ wurde, versuchten wir aus den 105-110cm Breite das möglichst beste zu machen und legten uns schlafen, wobei das Einschlafen durchaus lange gedauert hat…

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