Mein Praktikum in London: Die siebte Woche

Tag 44 – N73 to … Victoria (Montag, 14.03.)

Auch wenn die Wecker auf 3:30 gestellt waren, hat es diese eigentlich gar nicht gebraucht, denn wir wurden schon kurz nach drei Uhr wach und machten uns anschließend jeweils kurz im Bad etwas frisch. Als ich das als zweiter hinter mir hatte, wollte ich ein kleines Frühstück vorschlagen, bis mir aufgefallen ist, dass dafür keine Zeit mehr war, denn es war schon kurz nach vier, wie auch immer die Zeit so schnell verflogen ist.
Man könnte sich nun fragen, warum zur Hölle die Wecker auf 3:30 standen und wir um 4:10 das Haus verließen, doch die Antwort ist relativ simpel: Annikas Ryanair-Flug ging ziemlich früh am morgen, um 6:35, um genau zu sein (wofür er eben nicht so teuer war). Um zumindest ein bisschen Puffer zu haben, musste sie den allerersten Stansted Express um 4:56 von Tottenham Hale nehmen, wo wir allerdings erst einmal hin mussten. An sich gibt es ja zum einen die Buslinie 230, die von St. James Street bis Tottenham Hale fährt oder alternativ die Victoria Line von Blackhorse Road, doch um die Uhrzeit fuhr beides noch nicht, weshalb wir den ganzen Weg zu Fuß einplanten (der nächste Zug käme eine halbe Stunde später und das wäre ein Problem geworden). Zu Fuß sind wir den ganzen Weg dann aber doch nicht gegangen, weil wir ab Blackhorse Road zumindest den Nachtbus erwischten und so noch eine Viertelstunde auf den Zug warten durften.

Nach dem Verabschieden und der Abfahrt des Zuges (es war schon irgendwie emotional, aber was soll ich dazu hier groß schreiben ^^) machte ich mich wieder zurück zur Bushaltestelle, wo ich jetzt entweder zu Fuß oder mit dem Nachtbus (wenn einer gekommen wäre) mich wieder eine halbe Stunde zurück nach Hause ins Bett bewegen könnte oder rund eine halbe Stunde auf die erste Victoria Line hätte warten und dann zur Arbeit fahren können. Ich hatte mich aber schon im Voraus dazu entschieden, von Tottenham Hale aus den Nachtbus zu nehmen und auf diese Art und Weise zur Arbeit zu gelangen, denn ich wollte London jetzt auch mal von oben erleben. Die ganze Nachtbusfahrt dauerte eine knappe Stunde (hätte ich die halbe Stunde auf die Underground gewartet, wäre ich nicht mal zehn Minuten später da gewesen) und erlaubte es mir unter anderem mal King’s Cross von oben zu sehen. Ich hatte gehofft, ich hätte mich oben ganz vorne in den Doppeldecker setzen können, doch daraus wurde in der Realität nicht viel, denn in der zweiten Reihe hatte jemand sein Abendessen da gelassen, allerdings in eher weniger genießbarer Form und ich wollte mir den Geruch jetzt nicht aus nächster Nähe antun müssen. Was ich jedoch aus jeder Sitzposition mitbekommen hätte und auch habe, waren die Ansagen im Bus: In London sind die Busse so freundlich, beim Abfahren von jeder Haltestelle aus, wo jemand aus- oder eingestiegen ist, darüber zu informieren, in welcher Linie in welche Richtung man sich gerade befindet. In meinem Fall war das die N73 to – Victoria, eine Aussage, die ich irgendwann synchron mitsprechen konnte, denn es war ja eine Bandansage, die sich jedes Mal exakt gleich anhörte – über den Zeitraum von einer Stunde wohlgemerkt.
An der Oxford Street ausgestiegen hatte ich dann für kurze Zeit das Gefühl, ich hätte als einer der wenigen die Apokalypse überlebt, denn (mal abgesehen von den Lieferfahrzeugen) war die Straße totleer:

Oxford Street um 5:49 morgens

Die paar Minuten zur Arbeit nutzte ich um zu überlegen, wo und was ich frühstücken konnte, doch die entscheidendere Frage war wann. Es war nämlich kurz vor sechs Uhr morgens am Montag und um die Zeit hat selbst in der Innenstadt einer solchen Metropole wie London noch nichts offen – nicht mal einer der zwei Dutzend Pret-A-Manger’s im Umkreis von fünf Minuten Fußweg. Der erste Laden, der öffnete und dessen dritter Kunde ich an diesem Tag war, war Tesco. Dort kaufte ich mir eine dieser Toast-Ecken und eine Flasche Orangensaft, bzw. etwas von dem ich dachte, es wäre Orangensaft, was sich am Ende aber als hochprozentiges Konzentrat herausstellte, welches man 9:1 mit Wasser mischen sollte (man kann sich meinen Blick nach dem ersten puren Schluck vorstellen, da es etwas gedauert hat, bis ich das verstanden hatte) und machte mich nun endgültig auf den Weg ins Büro, wo ich gleich die nächste Herausforderung vor mir hatte: Reinkommen.
Denn selbstverständlich war die Tür um die Zeit nicht offen. Rechts neben der Glastür, durch die man zur Rezeption kam, gab es eine alphanumerische Tastatur, in die man einen „magischen Code“ eingeben musste, damit sich die Tür öffnet. Dieser Code stand auf einem auf meiner Karte klebenden Notizzettel, doch er funktionierte selbst beim zweiten Versuch nicht. Zufälligerweise saß auf der Treppe neben der Glastür eine Frau, die auf jemanden wartete, um in das Gebäude zu kommen. Man muss hier auch sagen, glücklicherweise, denn sie gab mir dann den letzten Hinweis, dass ich erst die Karte an das Gerät halten und dann den Code eingeben muss, worauf sich danach die Tür öffnet, was sie beim zweiten Anlauf mit dieser Technik dann auch gemacht hat und bei mir für Erleichterung sorgte. Der Rest des Büros war mir dann schon bestens vertraut, lediglich etwas unheimlich, weil die Beleuchtung heruntergedimmt war und absolut niemand anwesend war – aus guten Grund bei der Uhrzeit 😀
Da ich jetzt nicht um sechs schon anfangen wollte zu arbeiten, entschied ich mich dazu, Doctor Who zu schauen, was sich aber als gar nicht so einfach herausstellte: Denn wir leben im Jahr 2016, wo alles globalisiert ist, bis auf das Rechtesystem. Wenn ich ein legales Amazon Prime Video-Abo habe, dann darf ich Doctor Who und andere Serien und Filme streamen, wann ich will – aber nicht wo. Traurigerweise funktioniert mein deutsches Amazon Prime Video tatsächlich nicht in Großbritannien und da soll sich jemand wundern, wenn Leute Filme und Serien auf nicht bezahlte Art und Weise schauen (ob das dann legal ist oder nicht, steht wieder auf einem anderen Blatt). Andere Wege gefunden habe ich dann tatsächlich die erste Folge der ersten Staffel geschaut, danach aber eine gewisse Form von Müdigkeit festgestellt und mich nach dem Zähne putzen (ja, ich hatte mir ne Zahnbürste und Zahnpasta mitgenommen, genauso wie Haargel und Deo ^^) auf die Couch im hinteren Teil des Büros gelegt, die sogar so bequem war, dass ich da zwei Stunden drauf schlafen konnte. Anschließend hab ich mich nochmal ein bisschen frisch gemacht und wollte mir einen Tee holen, als ich an der zentralen Kaffeemaschine entdeckte, dass sie neben Kaffee und heißem Wasser auch Heiße Schokolade mit Milch kann, wofür es in der Tat einen übermüdeten Morgen benötigt hat.

Positiv überrascht verbrachte ich die erste Zeit nach dem Schlafen damit, das Windows Phone 8.1-Update von PitlaneOne fertigzustellen, denn bis zum Australien-GP waren es nur noch wenige Tage. Gegen halb elf kam dann die erste Person ins Büro, was das Ende des Alleine seins markierte und die Arbeit befasste sich anschließend mit dem Wiedereinbauen der Ordner-Synchronisation, die ich aufgrund von Performance-Gründen für die Testversion am Freitag herausgenommen hatte. Dabei machte ich etwas früher als sonst Mittagspause und kurz nach zwei trieb es mich zu Wasabi, wo ich mir eine Portion Sweet Chili Chicken mitnahm, die sich an diesem Tag ausnahmsweise auch als richtig richtig scharf herausstellte.
Nachdem ich mich am Abend noch mit ihr getroffen hatte, was zum Teil sicherlich auch aufgrund meiner Müdigkeit nur ein „hm :/“-Abend war (so steht’s in den Notizen und die beschreiben das eigentlich ganz gut), war ich schon um 21 Uhr im Bett und hatte mich kurz nach zehn dann endgültig schlafen gelegt, was ich nach der Nacht zuvor (die ich aber keinesfalls bereute!) bitter nötig hatte.

Tag 45 – Der Tag danach (Dienstag, 15.03.)

Insgesamt elf Stunden Schlaf später bin ich am Tag nach Annika (das hört sich so dramatisch an) gegen neun Uhr wach geworden und habe am Morgen tatsächlich Wäsche gemacht und aufgehangen, wobei ich die dort hängenden, aber trockenen Sachen runtergenommen habe. Nach dem Frühstück und fertig machen war ich gegen 11 Uhr auf Arbeit, dort nicht der erste und insgesamt produktiver als am Montag, was jetzt aber auch nicht so die Herausforderung war. Auf Code-Ebene beschäftigte ich mich zum größten Teil mit Bugfixes, später gab es dann noch ein Skype-Meeting mit den Backend-Entwicklern, die dieses demnächst in Angriff nehmen würden. Die anderen Entwickler hatten an diesem Tag ihre Probleme mit Apple, denn ein Tester hatte iOS 8.1 und darauf ließ sich die mindestens iOS 8.4 erfordernde Beta nicht installieren, was nun erst überall umgeändert musste, dass alle Pakete iOS 8.1 unterstützen.
Für das Mittagessen ging es heute zu Greggs, wo ich mir wieder eines der warmgemachten Baguettes holte, darüber hinaus hatte ich so viele Tassen Kamillentee getrunken, dass ich gefühlt mehr davon im Körper hatte als Blut, doch es half gegen die verstopfte Nase, die ich als Frühlingsbeginn deutete.

Kurz vor 19 Uhr machte ich als vorletzter Feierabend und nutzte den Abend dann, um an dem aktuellen Blogeintrag zu schreiben und soweit es das Internet zuhause erlaubte, mit meiner Mutter zu skypen. Darüber hinaus hatte mich Sina dazu überredet, meine Faulheit hinter mir zu lassen und mir beim Tesco (weil er näher als der Lidl war, die Faulheit war also noch da) Cookies und Cola zu kaufen. Zeitlich gesehen hatte ich das vor dem Skypen getan, sodass mich meine Eltern damit dann in der Woche danach des Öfteren aufgezogen hatten…

Tag 46 – Die teuerste Zugfahrt meines Lebens (Mittwoch, 16.03.)

Da ich am Dienstag vergleichsweise zeitig eingeschlafen war, war ich am Mittwoch auch schon um halb acht wach, wobei ich auf die Uhr mit der deutschen Zeit geschaut hatte und kurz schockiert und verwirrt darüber war, dass es schon halb neun sein sollte. So blieb ich noch eine Stunde liegen, bis sich alle anderen auf dem Weg zur Arbeit gemacht und ich meine Ruhe hatte. Zum Frühstück versuchte ich mich mit Rührei, denn für die Semmelknödel am Freitag war ein Ei nötig, wir hatten aber ein Sechserpack gekauft und mit den übrig gebliebenen fünf etwas sinnvolles anzufangen wurde mir als Aufgabe der Woche auferlegt. Das Ergebnis kam zwar nicht an das Rührei ran, was meine Mutter so macht, aber es konnte sich sehen lassen und hat ziemlich gut geschmeckt.
Nach dem Aufräumen der Küche machte ich mich wieder auf den Weg zur Underground, nahm allerdings den zufällig vorbeifahrenden Bus bis Tottenham Hale, wo ich mir für Freitag ein Ticket für den Stansted Express kaufte, denn am Freitag ging es wieder zurück nach Deutschland, wenn auch nicht für lange. Das Ticket kostete sage und schreib £19 und in Anbetracht der Tatsache, dass ich eine knappe Stunde Zug fuhr und das umgerechnet rund 25 Euro sind, ist das mit Sicherheit eine der teuersten Zugfahrten meines Lebens geworden – ich meine, der ICE von Hannover nach Bonn im September hat 29 Euro gekostet (okay, er war etwas mehr im Voraus gebucht, geschenkt).

Wie dem auch sei, bin ich danach etwas geschockt auf Arbeit gefahren, war vorher noch Sandwiches kaufen und als erster im Büro. Daher verbrachte ich den Beginn des Tages damit, die Fahrerdaten in der Symbian-Version auf den aktuellen Stand zu bringen, was ich zum größten Teil fertigstellen konnte. Man soll es kaum glauben, aber ich habe danach auch tatsächlich gearbeitet, und zwar erkannte die App nach dem Arbeitstag nun auch, wenn der Nutzer, nachdem die Bilderalben eingescannt wurden, den Titel eines Albums veränderte. Dafür entwickelte ich eine Klasse namens ObservableList, ähnlich zur ObservableCollection in C#, die bei Veränderungen den UI-Thread benachrichtigte und für eine Aktualisierung sorgte (diese Klasse ist bis heute, Dienstag Woche 10 im Testing-Status geblieben, weil andere Sachen dazwischen kamen 😀 ).

Wie schon für Mittwoch üblich, ging es auch diesen Mittwoch auf den Stammtisch, wofür ich gegen 18:20 das Büro verließ und mal wieder laaange auf die Buslinie 27 warten durfte. Auf dem Stammtisch habe ich zur Abwechslung mal Mac’n’Cheese bestellt, was auch ganz gut schmeckte, aber wo mir doch ziemlich viele Pilze drin waren (ich hoffe es schockiert niemanden zu sehr, dass ich davon kein Foto gemacht hab). Außerdem nutzte ich den Abend noch, um mit ihr Madame Tussauds auf nach der Deutschland-Woche zu verschieben, dafür uns am Donnerstag (wo wir eigentlich hingehen wollten) dann trotzdem zu treffen.
Ich mag Spoiler eigentlich nicht, aber um das Kapitel abzuschließen, sei erwähnt, dass dieser Abend, an dem ich auch wieder bis Walthamstow Central gefahren bin, also eine Station weiter, der letzte Abend war, an dem ich sie getroffen habe, da danach aus welch Gründen auch immer nichts mehr von ihr kam und sie mit ein paar Freundinnen auch ohne mich in Madame Tussauds war.

Tag 47 – Brrrrrrruuummmmmmmm… (Donnerstag, 17.03.)

Am Donnerstag war ich voller Produktivität und Eifer und bin deshalb, ohne Wecker wohlgemerkt, schon um halb acht aufgestanden, womit ich in der Wohnung wirklich alle überrascht hatte – aber auch ich sollte noch überrascht werden. Von den Semmelknödel waren noch zwei Eier übrig, die ich am Morgen hart gekocht hatte und insgesamt fast den ganzen Kühlschrank leer machte, was so meine Einkäufe anging. Anschließend ging es weiter geladen auf die Arbeit, wofür ich mich durch die morgendliche Rush-Hour in der Underground schlug. Das zählte aufgrund der Menschenmassen in der Victoria Line und auf den Bahnsteigen zu einer Erfahrung, die man während der Zeit in London einmal gemacht haben sollte – und dann auch nie nie wieder 😀
Insgesamt kam ich um 9:23 auf der Arbeit an, was abgesehen von dem Montag glaube ich persönlicher Rekord war, zu meiner Überraschung waren tatsächlich zwei schon vor mir da gewesen und wir hatten uns in dem Moment, in dem ich durch die Bürotür kam, alle den selben verwirrten, schockierten und überraschten Blick zugeworfen.

Nun, warum ich so früh da war, hatte zwei Gründe: Zum einen hatte ich mich um 10:30 deutscher Zeit zum Skypen wegen einer möglichen App-Entwicklung verabredet, zum anderen waren es an diesem Morgen noch weniger als 24 Stunden bis zum Start der Formel 1-Saison 2016 und die Symbian-Version war noch nicht ganz fertig: Na ja, ganz fertig ist nett gesagt, denn ich zwar die Fahrer-, Team- und Kalenderdaten aktualisiert, aber für die neue Saison hatte ich mir auch eine komplett neue API geschrieben, die statt auf XML auf JSON aufbaute und die musste nun erst einmal in die Qt-Version implementiert werden. Dies stellte sich als gar nicht so einfach heraus, denn Qt 4.7, wie es auf Symbian verwendet wird, unterstützt noch gar kein JSON, das kam erst mit Qt 5. Ich weiß, dass ich mir für Quizduell damals einen eigenen kleinen JSON-Parser geschrieben hatte, aber auch, dass er in einigen Fällen inkorrekt arbeitete und für eine veröffentlichte App nicht verwendet werden sollte, sodass ich auf eine 3rd Party-Library zugreifen musste, in deren Funktionsweise ich mich aber auch erstmal einarbeiten musste, bzw. in die Entwicklung für Symbian/mit Qt/C++ allgemein, denn das hatte ich schon sehr lange nicht mehr gemacht. Als wäre das nicht genug, hatte mich mein Laptop auch nicht sonderlich unterstützt, denn er ging in der Nacht irgendwann wieder von selbst an, was mir am Morgen nicht aufgefallen war, sodass ich auf der Arbeit nur noch knapp 40% Akku nach dem Skype-Gespräch hatte. Das reichte geradeso aus, um die Grafiken zu aktualisieren und die zu verändernden Klassen in OneDrive zu kopieren. Als der Akku leer war, musste ich blind entwickeln, wofür ich mir auf dem Arbeitsrechner Visual Studio Code heruntergeladen hatte und zumindest die Implementierung der Live-Daten versucht hatte einzubauen.

Nachdem ich irgendwann auch tatsächlich ein paar Stunden gearbeitet hatte (meine Notizen verraten mir nicht was genau, es war also nicht so von Bedeutung), hatte ich mich auf die Suche nach einer Lösung für die dritte Sache gemacht: Nachdem die BBC sparen muss, überträgt dieses Jahr Channel 4 die Formel 1, aber wie auch schon die BBC, überträgt der Sender nur die Hälfte der Rennen live, der Rest wird nur in der Zusammenfassung gezeigt. Da ich aber nicht nur die Rennen, sondern auch die Trainings live schauen wollte, musste ich hier einen Stream für finden. Was ich außerdem fand, war ein Stream alter Rennen, sodass ich den Nachmittag zur Einstimmung nutzte und das letzte Rennen von Michael Schumacher (#KeepFightingMichael) in ferrari-rot geschaut hatte.
Diese Produktivitätslawine (ich meine, das Rennen dauerte anderthalb Stunden, aber es war schön zurück zu schauen in eine Zeit, in der die Formel 1 keine Probleme hatte) beendete ich zeitig kurz nach 19 Uhr und machte mich auf den Weg nach Hause, wo ich erst meinem Laptop ein paar Prozent Strom spendierte und dann den Abend bis in die Nacht zum einen damit verbrachte, die Symbian-Version fertigzustellen (von dem blind programmierten Code (blind, weil ich ihn weder testen noch kompilieren konnte) war sogar gar nicht mal so viel falsch), zum zweiten einen Blogeintrag über das Update zu veröffentlichen und zum dritten selbstverständlich auch damit, das erste freie Training live zu schauen. Außerdem regte ich mich ein bisschen über Microsoft auf, denn das war der Tag, an dem man Windows 10 Mobile offiziell veröffentlicht hatte, aber eben nur für eine Hand voll Geräte und nicht alle, wie zu Beginn eigentlich „versprochen“. Letztendlich bin ich nach dem ersten Training um drei Uhr schlafen gegangen 😉

Tag 48 – Mit Wehmut zurück nach Hause (Freitag, 18.03.)

Nach nur ein bisschen mehr als fünf Stunden bin ich am Freitag kurz nach acht aufgewacht, hab in aller Seelenruhe geduscht und mir zum Brunch Nudeln gemacht, womit ich bis auf drei Scheiben Käse (die ich zu den Nudeln packen wollte, aber vergessen hatte), die Chili-Mayo und die (!) Nutella so ziemlich alles leer machen konnte.
Gefrühstückt und fertig gemacht musste ich an dem Morgen auch noch alles einpacken, was ich in der Woche benötigen würde. Da ich einige Klamotten noch zu Hause hatte, beschränkte sich das zum größten Teil auf Technik-Krams: Neben Laptop hab ich das Nokia 808 PureView, das BlackBerry Z10 sowie passende Ladekabel mitgenommen, zur Vorbereitung für die Klausur, wegen der ich wieder zurück musste, musste ich mir vorher außerdem noch die Ubuntu-VM von der externen Festplatte auf den Laptop kopieren. Irgendwann alles beisammen machte ich mich schweren Herzens auf den Weg zur Underground: Das Gefühl, nach der Arbeit nach Stansted zu fahren und dann wieder nach Deutschland, nach Hause zu fliegen, es machte mich traurig – denn ganz ehrlich, ich fühlte mich in London eigentlich pudelwohl, so erdrückend ich die Stadt zu Beginn doch fand. Zum einen wollte ich nicht für die Klausur lernen müssen (was ich dann auch erst Sonntag Nachmittag angefangen hatte; die Klausur war am Dienstag), zum anderen stellte ich aber auch fest, wie sehr ich mit der Heimat doch irgendwie abgeschlossen hatte. Klar vermisste man die Eltern und Familie irgendwie, klar ein paar Freunde, klar den Haufen, der gerne mit kleinen Eisenbahnen spielte, doch London hatte etwas großes, etwas internationales, was ich spätestens dann feststellte, als ich zu Hause ein bisschen erzählen wollte, mein Kopf die Sätze aber auf Englisch formulierte. Nach den ersten Wochen, wo ich London eher als bedrückend eingestuft hatte, war meine Einstellung zu der Stadt, dass ich hier nie auf Dauer leben könnte, weil es so groß und riesig ist. An diesem Tag, wo ich die Zeit hatte, die vergangenen sieben Wochen etwas Revue passieren zu lassen, stellte ich fest, dass ich aus einem anderen Grund nicht auf Dauer in London leben könnte, was mir auch mit den Ausflügen nach Cardiff, Belfast und Oxford klar geworden ist: Die Welt ist einfach zu riesig und es gibt zu viel zu sehen, als dass man auf Dauer (wie auch immer man diesen Zeitraum definieren mag) an einer Stelle bleiben könne. Gleichwohl zeigte mir insbesondere aber auch die Tatsache, dass ich über 40 Tage gebraucht habe, um zum ersten Mal den Big Ben zu sehen (Spoiler: Und 61 Tage, um an ihm zum ersten Mal vorbeizulaufen), dass man hier und dort auch mal etwas länger verweilen muss. Insgesamt bestätigten die sieben Wochen meine im Kopf schwebenden „Nach dem Studium“-Pläne, mich etwas durch die USA durchzuarbeiten, denn das Land ist ja immer noch mein Traumziel.. 🙂
Meine größte Angst, so könnte man sagen, war es vor London, dass mich das alles neue überfordern wird: Zum ersten Mal für längere Zeit weg von Zuhause, in einem komplett fremden Land, mit einer vergleichsweise fremden Sprache (mal ehrlich, das Schul-Englisch?), dazu noch der Linksverkehr, eine andere Währung und dann das alles noch komplett alleine, ohne auch nur irgendwen gekannt zu haben. Nach den sieben Wochen konnte ich aber nicht nur sagen, dass ich es überstanden hatte, sondern auch, dass ich daran Spaß hatte: Neue Leute zu treffen, wie auf dem Couchsurfing-Event oder auf dem Stammtisch, eine komplett neue Umgebung zu erkunden und durch die flexiblen Arbeitszeiten im Endeffekt nur auf mich selbst allein gestellt zu sein. Klar wird sich erst auf Dauer zeigen, wer von den Leuten, die man hier kennengelernt hatten, einen vielleicht länger begleiten wird, wen man außerhalb von London nochmal wiedersieht, aber trotz auch einiger kleinerer Rückschläge in dieser Woche wäre es das allerletzte zu sagen, ich hätte es bereut, dass ich nach London gegangen bin, wozu mich ein gewisser Mensch erstmal sehr von überzeugen musste. Letztendlich nehme ich London mit als eine super Vorbereitung auf die USA… 😉

Insgesamt zogen sich diese Gefühle und Gedanken quer durch den Tag, sodass ich die Arbeit dann mehr mit Kommentieren verbrachte, weil ich nichts großartig neues anfangen wollte, woran ich eine Woche später hätte weiterarbeiten müssen, außerdem wusste ich nicht, womit ich sonst die Zeit füllen sollte. Mit dem Franzosen ging es für das Mittagessen zu McDonald’s, wo wir ein bisschen über die Osterpläne quatschen, ehe ich mich kurz nach 16:30 Uhr auf den Weg zur Great Portland Street Underground Station machte. Zumindest bis zur am Montag erwähnten Glastür begleitete mich noch der Chef und wiederholte, dass man über einen potentiellen Verbleib im Unternehmen nach dem Praktikum unbedingt reden muss, wenn ich wieder zurück bin – da bin ich noch sehr gespannt drauf.
Man möchte anmerken, dass ich wieder ziemlich wenig Zeit eingeplant hatte, denn vom Verlassen des Büros bis zum Abflug hatte ich somit 2:40h, diese schlossen 15 Minuten Underground, eine Stunde Stansted Express, Check-In, Sicherheitskontrolle, Einkaufspassage und Gate finden sowie das Boarding ein, doch am Ende hatte ich noch so viel Zeit, dass ich in der Einkaufspassage am Stansted Airport in Ruhe ein ausgestelltes Surface Book begutachten, betatschen und ausprobieren konnte 😀 Danach ging es irgendwann zum Gate, wobei Eurowings in einem Teil des Flughafens abfliegt, den man nur mit der kleinen Bahn erreichen kann und der von so wenigen Flugzeugen verwendet wird, dass er unheimlich (und) leer war, erst gegen Ende sammelte sich die Anzahl deutsch sprechender Menschen.

Meine erste Begegnung mit einem Surface Book
Stansted kann auch vergleichsweise leer sein

Der Flug war nicht ganz ohne und vielleicht der turbulenteste, den ich mitgemacht hatte. Die Frau am Check-In hatte mich gefragt, ob ich denn am Fenster sitzen wollen würde, was ich etwas verwirrt bejahte, da ich bei der Buchung dafür ja extra hätte zahlen müssen und mich das niemand je vorher gefragt hatte. So saß ich dann am Fenster am Platz mit extra viel Beinfreiheit und der Pilot machte gefühlsmäßig mehrere Startübungen hintereinander, wie sie die Formel 1-Fahrer vor dem Start machen – wohlgemerkt waren wir da schon in der Luft. Zudem hörte sich die Maschine vergleichsweise komisch an, aber am Ende landeten wir sicher (und schweißgebadet ^^) am Konrad-Adenauer-Flughafen Köln/Bonn.
Schon dort, noch vor der zehnminütigen Suchaktion nach meinen Eltern, die irgendwo am komplett anderen Ende des Flughafens auf mich warteten, fing ich London an richtig zu vermissen: Denn aus dem Flugzeug heraus die Treppe runter, mit dem Bus zum Flughafengebäude, durch die Passkontrolle ging es eine Rolltreppe hoch. Ich hatte mich mittlerweile bestens dran gewöhnt, bei Rolltreppen voll automatisch links an den stehenden Menschen vorbeizulaufen. Doch das ging hier nicht, weil alle mittig standen und mit ihren nervigen Handgepäck-Koffern den Weg blockierten. Und alle meint hier nicht willkürliche Menschen, die am Flughafen herumlatschen, sondern die, die vor rund drei Stunden noch selbst in London waren… (dieses Vermissen setzte sich am Samstag dann fort, als ich neun Minuten auf die U-Bahn warten musste – eine Wartezeit, die ich in London nur am Wochenende um 5:30 morgens erlebt hatte).

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