Das erste Mal Down Under – Teil 3: Von Sydney nach Melbourne

Am Sonntag ging es für mich dann raus aus der Stadt Sydney rein ins große Nichts, aber doch mit einem Ziel vor Augen: Melbourne. Mein Teil-Anlass der Reise war ja der Formula 1 Rolex Australian Grand Prix 2019 und da war ich in Sydney natürlich in der komplett falschen Stadt. Wege und Verkehrsmittel von Sydney nach Melbourne gibt es viele: Sei es der Greyhound-Bus, der Zug oder eine der hundert Flugverbindungen zwischen beiden Städten. Aber es gibt auch Straßen und ich wollte nicht nur einen kleinen Roadtrip einlegen, sondern auch das erste Mal mit Linksverkehr konfrontiert auf dem Asphalt unterwegs sein. So machte ich mich am Sonntag Morgen nach einem kurzen Abstecher zum Aldi und zur Apotheke/Drogerie (die Erkältung war mittlerweile ein wenig schlimmer geworden) zur Mietwagenfirma meines Vertrauens (oder so) und ich holte mein Auto ab. Dieses hatte ich in Deutschland via Check24 (no comments) gebucht und mir auch einen internationalen Führerschein organisiert – mehr war nicht nötig. Ein wenig Papierkram später stand ich vor dem Fahrzeug der nächsten zwei Tage, hatte jenes kurz inspiziert, festgestellt, dass es in Australien gar keinen Fahrzeugschein auf Papier gibt, Koffer eingeräumt und mich hinters Steuer gesetzt. Und da saß ich nun…

Mein Mietwagen

Erster Stop: Sea Cliff Bridge

…und schaute mir mal an, was an diesem Auto anders und vertraut war – und vor allem, wo es war. Das Auto war ein Toyota Corolla in silber mit allerlei nützlichem Zeug: Automatikgetriebe, Tempomat, Entertainment-System mit Bluetooth-Funktion. Es gab sogar einen USB-Anschluss zum Handy aufladen (ich hatte darauf nicht vertraut und meinen Zigarettenanzünder-USB-Adapter mitgenommen). Das wichtigste, Gas und Bremse, waren da wo sie sonst auch sind. Alles andere war aber verkehrt herum und zumindest die ersten rund 60 Kilometer bereitete mir das ein wenig Kopfzerbrechen. Aber ich hatte sehr schnell eine sehr saubere Windschutzscheibe, auch wenn der Blinker dafür doch relativ selten zum Einsatz kam. Insbesondere am Anfang war es beim Fahren schwer einzuschätzen, wie weit man links an der Linie fuhr, wenn man sich für gewöhnlich anders orientiert.

Frühstücksaussicht - im Tal: Die Sea Cliff Bridge
On the road again...
Nur noch 853km bis Melbourne :D
Es erinnert schon ein wenig an Großbritannien finde ich...

Spätestens am ersten Stop, der Sea Cliff Bridge, war ich aber soweit vertraut, dass das ganze einen gewissen Automatismus hatte. Der erste Stop war nicht mal hundert Kilometer entfernt, doch aus Sydney herauszukommen zog sich ewig und drei Tage, wenn man die mautpflichtigen Straßen meidet, sodass ich dafür locker zweieinhalb Stunden benötigt habe. Blöd, wenn man außer zwei Bananen nicht wirklich etwas gefrühstückt hat, doch am Parkplatz der genannten Brücke hatte ich die beste Gelegenheit dies nachzuholen und konnte dabei einen wunderschönen Ausblick auf den Pazifik genießen.

Zwischenstop in Merimbula

Nachfolgend ging es die M1/A1 einfach nur geradeaus. Und weiter geradeaus. Und weiter geradeaus. Und hab ich schon erwähnt, dass es geradeaus ging? Nein? Gut. – Wobei, so geradeaus war die Straße gar nicht und umso weiter man sich von Sydney entfernte, desto leerer wurde sie auch. Irgendwann traf man alle paar Kilometer ein Auto und auch die Dörfer und Zivilisation um die Straße herum wurde seltener, sie erreichte aber noch lange nicht den Tiefpunkt, wie ich erst am nächsten Tag feststellen durfte. Mein Tagesziel war die Kleinstadt Merimbula, dort hatte ich via Booking.com* eine Nacht im Hillcrest Merimbula gebucht. Ein nettes Motel mit etwas besser ausgestattetem kontinentalen Frühstück als im Hostel und einer wunderschönen Aussicht aus dem Zimmer, was mir als Abwechslung zu jener Unterkunft in Sydney doch sehr gut getan hat und wo ich ein wenig Ruhe finden konnte. Ein Ort, an dem einem wieder bewusst wurde, wie weit man doch eigentlich gerade von zu Hause entfernt ist, aber auch ein Ort, an dem man dieses Bewusstsein gleich wieder vergaß – genau dann nämlich, als die süße Rezeptionistin anfing, mit Schwarzwälder Dialekt Deutsch zu reden…

Ausblick auf Merimbula

Der Golden Beach

Am nächsten Morgen ging es nach erwähntem Frühstück weiter in Richtung Melbourne und da ich am ersten Tag von rund 1.300 km nur 450 etwa geschafft hatte, stand heute etwas mehr fahren an. Aber ich musste mich nicht durch eine Großstadt kämpfen, sondern landete in der einsamsten Ödnis, in der ich je war glaube ich. So weit weg von jeglicher Zivilisation, dass das McDonald’s-Werbeschild mitten im Urwald die Entfernung zum nächsten Restaurant auf 215 km angab. So weit weg, dass man bei jeder Stadt, durch die man gefahren ist, überlegen musste, ob man nicht doch hier sicherheitshalber tanken sollte. So weit weg, aber doch so nah, dass man dort besseren Handyempfang hatte als im Regionalexpress zwischen den „Dörfern“ Köln und Bonn.

Golden Beach: Weit und breit nüschts - weder links...
...noch rechts...

Insgesamt rund fünf Stunden ging es bis zu meinem anvisierten Zwischenstop an diesem Tag, dem Golden Beach. Ein kilometerweiter einsamer Sandstrand mitten im Nirgendwo, der zum Baden und Sonnen einlud, wenn es denn das Wetter zuließ. Parallel zur Küste lief eine Straße entlang, zwischen beidem gab es lediglich einige Sandplätze zum Campen sowie Dünen, ansonsten war da nichts – wirklich gar nichts. Geschäfte oder ähnliches suchte man vergeblich, zumindest habe ich nichts derartiges gesehen. Ein paar Menschen waren auf den Sandplätzen aufzufinden, doch irgendwann fand sich einer, wo ich komplett meine Ruhe hatte – nicht nur auf dem Sandplatz, sondern auch am Strand selbst, was ich natürlich auch ausgenutzt habe, sodass meine Badehose trocken blieb…

...nur so ein komischer Typ ohne Badehose :D

Vor den Toren von Phillip Island

Nach insgesamt einer Stunde am Strand ging es dann weiter in Richtung Phillip Island. Die Insel liegt südlich von Melbourne und war in meiner Planung der einzige Ort außerhalb von Melbourne, den ich während der Zeit in der Stadt sehen wollte. In jener Planung hatte ich allerdings ein früheres Losfahren in Merimbula vorgesehen gehabt und damit verbunden auch die Tatsache, den Golden Beach nicht erst um 16:30 zu verlassen, sodass für die Insel noch ein wenig Zeit gewesen wäre. Bei der Abfahrt vom Strand war ich Tank- und Essenspausen eingerechnet aber noch drei Fahrstunden entfernt, sodass ich erst kurz vor 20 Uhr an meiner Unterkunft in Cape Woolamai direkt am Anfang der Insel ankam. Diese Fahrstunden gestalteten sich recht öde, ich hatte zum größten Teil meine Ruhe und ganz gemütlich etwas schneller als 100 km/h dem Ziel entgegensteuern. Hier und da traf man am Straßenrand ein paar Kängurus, leider waren sie alle nicht mehr am Leben.

In der AirBnb-Unterkunft angekommen habe ich eine kurze Dusche genommen, geschaut was ich im Laufe des Tages in der Welt verpasst habe und mich relativ schnell schlafen gelegt. Denn am nächsten Tag stand wieder Großstadtverkehr für mich an…

Berufsverkehr nach Melbourne

Ich hatte den Mietwagen von 10 Uhr bis 9 Uhr morgens zwei Tage später gebucht gehabt, damit ich bei unter zwei Tagen bleiben würde und genug Zeit für Melbourne selbst habe. Das bedeutete jedoch, dass ich von Phillip Island am Tag der Rückgabe noch 150 Kilometer zu fahren hatte und an jenem Tag einschließlich Puffer um 6:30 losfahren musste, um pünktlich am Abgabeort – dem Flughafen von Melbourne – da zu sein. Das hat aufgrund der Bequemlichkeit des Bettes nicht ganz funktioniert und ich verließ Phillip Island erst um 7 Uhr in purer Vorfreude auf dem morgendlichen Berufsverkehr der 4 Millionen Einwohner-Metropole. Wie schon die 1.000 Kilometer davor, hatte ich mir auch hier einen Zettel geschrieben, der mir dabei half, von A nach B zu kommen.

Mein Navi in Australien

So ganz funktionierte das dieses Mal leider nicht, denn ich hatte eine Straße auf die Autobahn verpasst und landete im Vorort-Stau, welcher gemeinsam mit mir auf dem Weg zur Autobahn war. Dieser Weg dauerte aufgrund des enormen Verkehrs jedoch ewig und ich machte mir schon Sorgen um meine Pünktlichkeit. Denn ich konnte der Autobahn nicht ganz bis zum Flughafen folgen, weil ich keine Maut zahlen wollte. Ich musste daher irgendwann runter von der Autobahn und mich durch die Straßen von Melbourne quetschen, ehe ich mit anderthalb Stunden Verspätung und einmal Volltanken direkt am Flughafen an eben jenem ankam. Aber ich hatte wohl Glück, denn ich musste keine Strafe für die Verspätung zahlen, sondern der Herr an der Mietwagen-Annahme warf einen kurzen Blick um das Auto herum, druckte mir einen Zettel aus und half mir sogar noch dabei, das Flughafengebäude ausfindig zu machen – die Beschilderung im Parkhaus war nämlich sehr dürftig. Im Gebäude angekommen ging es erst einmal ins WLAN, um zu schauen was ich am Morgen so verpasst hatte und wie ich denn nun zu meiner Unterkunft für die Zeit in Melbourne kommen würde…

Der ganze Weg (Erstellt mit: <a href="https://graphhopper.com/maps/?point=-33.875208%2C151.215048&point=-33.874193%2C151.214399&point=-33.874353%2C151.216823&point=Lawrence%20Hargrave%20Drive%2C%202515%2C%20Wollongong%2C%20Australien&point=-36.884495%2C149.895594&point=-38.281818%2C147.311211&point=-38.191311%2C147.093673&point=-38.558368%2C146.676922&point=-38.521243%2C145.335807&point=-38.179775%2C145.422421&point=-38.141577%2C145.38826&point=-37.847816%2C145.053477&point=-37.76298%2C145.06794&point=-37.699578%2C145.090942&point=-37.671593%2C144.849801&locale=de&vehicle=car&weighting=fastest&elevation=true&use_miles=false&layer=OpenStreetMap" target="_blank">graphhopper.com/OpenStreetMap</a>)

Der ganze Weg (Erstellt mit: graphhopper.com/OpenStreetMap)

* = bei den Links handelt es sich um einen Affiliate-Link (was ist das?)

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