Caddy goes Camper – Teil 12: Multifunktionslenkrad nachrüsten

Im allerersten Teil meiner Caddy goes Camper-Reihe hatte ich aufgeführt, welche Anforderungen ich an ein potentielles Auto hatte und dass mir bei dem am Ende gewählten Caddy die Multifunktionsanzeige fehlte. Womit ich bei VW schon beim vorherigen Polo nicht ganz zufrieden war, war die Bedienbarkeit des Tempomaten am Blinkerhebel. Die Druckpunkte für Schneller/Langsamer wurden zwar in den zehn Jahren zwischen den beiden Autos verbessert, aber wirklich bequem fand ich das beim Caddy auf Dauer auch nicht, insbesondere wenn ich damit ja längere Strecken zurücklegen wollte.

Nötige Teile organisieren

Also machte ich mich ein wenig schlau, was denn erforderlich wäre, um dem Caddy Multifunktionstasten zu spendieren. Die Antwort darauf war in Kurzfassung: Ein neues Lenkrad. Denn ich hatte das günstige Kunststofflenkrad verbaut, für welches es keine Tasten gibt, sondern es musste ein Lederlenkrad her. Dabei bin ich auf den Shop von Wibutec gestoßen, die ein komplettes Umbauset für den Caddy 4 anbieten. Eine knapp 600 Euro schwere Überweisung und ein paar Tage später kam das Nachrüstset bei mir an und es konnte zusammen mit Robert, dem Kfz-Fachmann meines Vertrauens, an den Umbau gehen.

Das Set besteht aus dem Lederlenkrad mit eingesetzten Multifunktionstasten (in gebrauchtem Zustand, weil mir ein neuwertiges Lenkrad 400€ mehr nicht wert war), einem passenden Lenksäulensteuergerät, da mein bis dahin eingebautes Steuergerät mit dem Lenkrad nicht kompatibel war, einen passenden Airbag-Kabelsatz sowie die notwendigen Schrauben. Ich selbst hatte mir für zehn Euro auf ebay noch einen Blinkerhebel ohne Tempomattasten organisiert, da ich sonst ja eine Doppelbelegung hätte.

Der Einbau

Der Einbau war an sich nicht komplex. Robert hatte zunächst den Airbag ausgebaut, was ich mich nicht getraut habe – und aufgrund des nicht vorhandenen Sprengstoffscheins nicht hätte machen dürfen – ehe das Lenkrad über eine Vielzahnschraube in der Mitte abgeschraubt werden konnte. Anschließend haben wir einiges an Verkleidung zwischen Lenkrad und Instrumententafel sowie um die Lenksäule herum, die zum größten Teil nur gesteckt oder mit wenigen Schrauben befestigt war. Nachfolgend wurde das Lenksäulensteuergerät (dieser lange Name eh) ausgebaut und mit dem roten Pin des neuen Steuergeräts auf Nullstellung fixiert.

Alle zum Umbau benötigten Teile
Das Kunststofflenkrad ohne Airbag

War nun auch der Lenkstockschalter (= Blinkerhebel) entfernt, konnte es auch schon an den umgekehrten Zusammenbau mit den neuen Teilen gehen. Also Lenkstockschalter, Lenksäulensteuergerät (je öfter ich das Wort schreibe oder denke, desto mehr Kfz-Mechaniker fühle ich in mir 😀 ), die ganze Verkleidung um die Lenksäule und das Lenkrad mit der neuen Schraube dazu. Von Robert habe ich erfahren, dass so eine Lenkrad-Befestigungsschraube nur einmal verwendet werden darf/sollte und deswegen dem Set auch eine neue, aber identische beigelegen hatte.

Ein paar Minuten später fehlte dann auch so ziemlich alles um das Lenkrad
Der Zusammenbau ging relativ zügig
In dem Stecker waren die Kontakte ganz außen und wurden beim Einstecken vom Gegenstück nicht in den Stecker geleitet, sondern nach außen, sodass kein Kontakt erstellt werden konnte
Das fertige Lenkrad

Nach dem Lenkrad mussten Airbag, Lenkrad und Auto mit dem neuen Kabel verbunden werden, ehe das ganze Thema hardwareseitig eigentlich schon durch gewesen wäre. Zumindest in der Theorie, denn die Kontakte im Mama-Teil des Steckers am Lenkrad waren nicht leicht mittig, sondern ganz am Rand, sodass hier kein Kontakt zustande kam und wir einige Stunden nach der Ursache gesucht und auch bei Wibutec selbst angerufen hatten, da wir davon ausgegangen waren, dass das ein Problem bei der Programmierung war. Nach zwei Stunden war der Fehlerteufel dann aber mittels Extra-Licht und -Spiegel (über den das Foto aufgenommen wurde) gefunden und durch leichtes Gegendrücken auch behoben, sodass die Lenkradtasten zumindest schon in Kombination mit der Armaturenbeleuchtung leuchteten.

Die Programmierung

Nun musste das Auto noch „erfahren“, dass es ein Multifunktionslenkrad verbaut hat, was leider eine nächste Herausforderung darstellte. Dem Set war eine Anleitung beiliegend, wie das Steuergerät über VCDS (ein Programm zum Auto auslesen und codieren) programmieren werden muss, allerdings hat das Steuergerät/Auto die neue Codierung nicht akzeptiert. Also endete der Tag damit, dass ich zum einen natürlich lenken konnte, zum anderen die Musik- und Radiosteuerung funktionierte und die Bedienung der Multifunktionsanzeige, die mit dem Codieren jetzt zumindest soweit freigeschaltet wurde, dass sie Kenndaten wie Spritverbrauch, Fahrzeit, Distanz, etc. anzeigen kann. Vorher stand da meine ich lediglich die Temperatur. Alles andere scheiterte an Fehler 31: Wertebereich ungültig.

Die Recherche nach dem Fehler, warum das Steuergerät die Codierung nicht akzeptieren wollte, führte zu dem Zwischenergebnis im motor-talk Forum, dass laut jener Liste das von Wibutec zugeschickte Steuergerät mit der Teilenummer 5K0953569-BE wohl kein Multifunktionslenkrad unterstützen soll. Der Support von Wibutec konnte aus der Ferne auch mit Autoscan nicht helfen – so sehr man sich bemühte – gleichzeitig war es nicht möglich über Teamviewer eine Ferndiagnose zu machen, sodass die einzige Idee war, in Bielefeld in deren Werkstatt vorbeizuschauen. Also ging es zwei Wochen nach dem Einbau dann auch in die nicht existente Stadt in die Werkstatt, die sich in einem Start-Up ähnlichen und modernen Industriegebiet befand und von Porsche-Fahrzeugen nur so umstellt war.

So viele Porsche auf einmal habe ich glaube ich noch nie gesehen
Aber auch ältere Fahrzeuge waren hier in einer Art Ausstellraum zu sehen

Mehr als eine Runde um das Gebäude schafften wir dann aber auch nicht, ehe der Techniker mich anrief, dass er fertig wäre. Die korrekte Codierung für das Steuergerät lautete 1082C60008, wie ich später durch Auslesen herausgefunden hatte. Laut der Anleitung und VCDS ließ sich die fünfte Stelle (C) aber nur mit den Bits 0-4 belegen, zumindest hatte der Codierungsassistent im VCDS nicht mehr an Optionen bereitgestellt, sodass ich mich bis zum Ende gefragt habe, wie die dort zu der Codierung gekommen sind. Aber na ja, ich war froh, dass der Tempomat nun mit Speedlimiter korrekt funktioniert.

Ein interessanter Kletterpark beim Haltener Stausee umfasste viele Ausstellungsstücke, wie einen Grenzpfosten der DDR...
...oder eine alte Seilbahnkabine

Auf dem Rückweg machten wir dann noch einen kleinen Halt in Haltern am See, waren dort – soweit es die Corona-Maßnahmen mit einer Person pro Einkaufswagen erlaubten – einkaufen und da Melina auf der Rückfahrt Online-Vorlesung hatte, der sie vom Auto aus beiwohnte, konnte ich noch ein wenig was in Sachen Verkehrsplanung lernen.

In den Wochen darauf konnte ich das alte Steuergerät und den Lenkstockschalter für zusammen knapp 100 Euro noch verkaufen, während das Interesse am Airbag-Kabel und Lenkrad eher gering war (also falls jemand noch ein Caddy-Kunststofflenkrad benötigt, gerne melden 🙂 ). Trotzdem hat sich meiner Meinung nach jeder Cent dieser Investition gelohnt und mit den Multifunktionstasten ist der Tempomat deutlich besser zu bedienen, als mit dem Blinker. Zumal ich hier auch in Zehnerschritten die Geschwindigkeit erhöhen oder senken kann…

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