Mein Weg zum Flugbegleiter: Das fünfte Assessment Center

Kurze chronologische Einordnung: Dieser Blogeintrag erzählt von Geschehnissen, die im Februar 2024 passiert sind, auch wenn er erst im Januar 2026 veröffentlicht wurde. Tatsächlich habe ich ihn aber damals nur wenige Tage nach dem Assessment Center geschrieben (sonst könnte ich mich an das meiste hier gar nicht mehr erinnern) und es ist sehr interessant zu sehen, wie sich einige Aussagen hier schon ein halbes Jahr später doch verändert hatten – aber dazu an anderer Stelle mehr…

Nach dem beendeten (Spoiler, 2026: pausierten) Work & Travel zurück in Deutschland angekommen, war es Zeit sich wieder von Grund auf ein Leben aufzubauen. Wenn ich über „gewöhnliche“ Lebensläufe nachdenke, dann ist das glaube ich auch so eine Sache, die nicht sonderlich alltäglich ist – was es wiederum irgendwie spannend, wenn auch anstrengend macht. Glücklicherweise hatte ich schon in der letzten Woche in Sydney für mich die Erkenntnis gehabt, dass ich mir keinen „neuen“ Job suchen möchte, da ich bereits das gefunden hatte, was mich erfüllt hat und ich mir einfach nicht vorstellen kann, noch einmal dieses Glück zu haben (Spoiler, 2026: Das ist doch passiert.).

Zwar habe ich mich – mehr fürs eigene Gewissen – für einige IT-Stellen beworben, mit jeder abgeschickten Bewerbung ist mir aber bewusst geworden, dass das nicht das ist, was ich machen möchte. Ich möchte wieder fliegen. Also begann die Suche nach Airlines im deutschsprachigen Raum, die aktuell Flugbegleiter suchen und es ging daran, wieder Bewerbungen zu verschicken und Assessment Center zu besuchen.

Ansprüche?

Beim Leben-wieder-aufbauen war der Job tatsächlich die erste und wichtigste Position, denn auch wenn ich den Entwickler-Job der Erdbeerfarm-Software aus Australien in Deutschland weiter gemacht habe, gestaltet sich die Wohnungssuche ohne einen „regulären“ Arbeitsplatz eher schwierig. Erst danach konnte es in das Drama Wohnungssuche gehen, wobei für mich schon länger feststand, dass ich nach einer so langen Zeit weit weit weg gerne nahe meiner Wurzeln bleiben wollte – konkreter gesagt im Rheinland, idealerweise in Köln.

Daher musste sich jeder fliegerische Job auch an diesem Faktor messen, was sich in Anbetracht meiner eher geringen Bereitschaft zum Pendeln quer durchs Land durchaus einschränkend auswirkte. Aber ich wusste um meine Erfahrung und hatte nur wenige Stunden nach dem Abschicken meiner Bewerbung für den frisch gegründeten Ableger einer Zubringer-Airline für die größte deutsche Fluggesellschaft die Einladung zu einem Assessment Center am Münchener Flughafen in meinem Postfach.

Abgesehen von der Homebase, also dem Heimatflughafen wie es im Fachjargon heißt, wollte ich nicht direkt wieder in den identischen beruflichen Trott wie vor dem Work & Travel starten, sondern etwas neues erleben. Eine reine Kurz- und Mittelstrecke stand da jetzt zwar nicht unbedingt weit oben, aber von Fernreisen hatte ich gerade erstmal genug. Darüber hinaus, solange mir das Gehalt ein vernünftiges Leben ermöglichen würde, hatte ich erst einmal keine so großen Ansprüche – ich wollte einfach nur wieder das tun, was mir beruflich am meisten Spaß gemacht hat.

Das erste Mal Sightseeing in München

Und so ging es am Dienstag, den 6. Februar 2024 mit dem ICE nach München für das Assessment am darauffolgenden Mittwoch. Ich wäre zwar lieber geflogen, aber zum einen wurden Flugkosten nicht als Reisekosten erstattet, zum anderen hatte sich das Bodenpersonal in München an genau jenem Mittwoch dazu entschlossen, zu streiken – ein Thema, bei welchem zu diesem Zeitpunkt in Deutschland gefühlt jeden Tag eine andere Berufsgruppe aufhorchen ließ.

So ungewohnt, mal nicht mit dem Flugzeug quer durchs halbe Land zu reisen...

So ungewohnt, mal nicht mit dem Flugzeug quer durchs halbe Land zu reisen...

Nach rund fünf Stunden im ICE kam ich irgendwann am Nachmittag am Münchener Hauptbahnhof an und suchte erstmal das für rund 60 Euro relativ spontan gebuchte B&B HOTEL München-Hbf im Süden des Bahnhofs – und durchlebte in den Straßen auf meinem ersten innerdeutschen Ausflug nach einem Jahr Australien einen kleinen Kulturschock, denn ich fühlte mich mehr im Orient als in der bayrischen Hauptstadt angekommen. Überall waren ausländische Geschäfte, Supermärkte und Restaurants und auch im Bezug auf die gesprochenen Sprachen musste ich feststellen, dass ich in Sydney an manchen Orten häufiger die deutsche Sprache gehört habe, als mitten in München.

Nichtsdestotrotz suchte ich mir einen Supermarkt auf dem Weg, wo ich mich mit etwas an Snack, Frühstück und zu Trinken versorgte, checkte bei dem eher unfreundlichen Mitarbeiter an der Rezeption ein und begab mich in direkt in die Altstadt, wo ich mich mit einem Kollegen einer anderen Airline für eine kleine Sightseeing-Runde verabredet hatte. Denn Schande über mein Haupt, obwohl München insgesamt rund ein Jahr die Homebase während meiner fliegerischen Karriere war, habe ich es nie geschafft, so wirklich etwas von der Stadt zu sehen – und das wollte ich an diesem Tagesausflug zumindest ein wenig ändern.

Marienplatz in München

Marienplatz in München

Also machten wir uns vom Hauptbahnhof aus in Richtung Marienplatz, vorbei am St. Michael, der Frauenkirche, dem alten und neuen Rathaus sowie dem Viktualienmarkt, bis wir uns im Weißen Bräuhaus niederließen und klassisch bayrisch speisten und tranken – ich probierte dabei auf Empfehlung das Bräuhaus-Gröstel, ein wie ich fand leckeres Pfannengericht mit Bratenfleisch, Speck, Ei, Zwiebeln, Kartoffeln und Bratensauce.

Leicht angeheitert von einer „gewöhnlichen bayrischen“ Portion Bier irrte ich danach noch ein wenig durch die Straßen Münchens vorbei am Hofbräuhaus und entlang den noblen Markenläden auf der Maximilianstraße wieder zurück zum Hotel. Es war zwar erst kurz nach 19 Uhr, aber ich musste am nächsten Morgen ja früh aufstehen.

Auf zum Flughafen

Am nächsten Mittwoch morgen ging es gegen kurz nach 7 Uhr mit der S-Bahn dann zum Flughafen München, den ich das letzte Mal im Juli 2022 gesehen hatte und es war schön, dass sich hier nicht so viel verändert hatte. Zum Assessment Center, welches in einem Flughafengebäude auf dem Terminalplatz stattfand, waren Personen verschiedener Alters- und Berufsvorerfahrungen eingeladen und ich habe mich in dieser Umgebung direkt wie zu Hause gefühlt. Wobei die Anzahl der Personen mit Flugerfahrung (es gab jeweils unterschiedliche Stellengesuche) sehr überschaubar war.

Der Münchener Flughafen - hach, das waren Zeiten...

Der Münchener Flughafen - hach, das waren Zeiten...

Der Ablauf des Assessment Centers ist an sich in Kürze erzählt, denn er hat sich im Grundlegenden nicht von anderen solchen Events unterschieden, zu denen ich bereits in früheren Blogeinträgen geschrieben habe: Nachdem sich jeder der Teilnehmer kurz vorgestellt hatte und auch der künftige potentielle Arbeitgeber vorgestellt wurde, wurden die 15 Teilnehmer auf einen Englischtest und eine Gruppenarbeit aufgeteilt. Ersteres war (aus meiner Perspektive gerade aus 11 Monaten Australien wiederkehrend) keine Herausforderung und teilweise eher amüsierend, während letzteres im Kern der Aufgabenstellung sehr verwirrend gestellt war.

Die Teilgruppe wurde nochmal aufgeteilt und sollte sich Pro/Contra zu einem vorgegebenen Thema äußern. Zunächst für sich, dann in der eigenen Gruppe und anschließend als Diskussion mit der anderen Gruppe, ehe das abschließend dem fiktiven Airline-Vorstand vorgestellt worden sollte. Also insgesamt vier Arbeitsaufträge, für die aber nur drei Zeitfenster definiert waren, weshalb mir zum Bearbeitungszeitpunkt als auch beim Schreiben dieses Eintrags nicht ganz klar war, was der eigentliche Auftrag so wirklich war. Aber wie es immer in solchen Gruppenaufgaben ist, habe ich mich sehr schnell drauf fokussiert, mich in die Gruppe einzubinden, gute Ergebnisse zu präsentieren und mir meine komplette Verwirrtheit nicht anmerken zu lassen. Was durch den Teilsatz zu Beginn, man solle sich die Aufgabenstellung Wort für Wort durchlesen, nicht gerade einfach gefallen ist.

Ich hatte hierbei auch Glück, dass ich in der Pro-Gruppe war, denn sich Contra-Gründe gegen eine Uniform als Airline auszudenken, habe ich rückblickend als ziemlich schwer empfunden. Ich bin aber bis heute fasziniert davon, dass der anderen Seite als Contra nicht der finanzielle Aspekt des Designs und der Anschaffung der Teile eingefallen ist.

Das persönliche Interview nach der Mittagspause war dann wiederum relativ entspannt: Es ging natürlich um meinen Lebenslauf, wobei der Fokus – verständlicherweise – das erste Mal nicht so sehr auf meinem IT-Studium (dessen Ende mittlerweile fast 7 Jahre her ist), sondern auf der Zeit in Australien lag. Dazu gab es noch ein kleines Rollenspiel der beiden interviewenden Flugbegleiterinnen, sodass das ganze Assessment Center für mich nach etwas mehr als fünf Stunden zu Ende ging und es Anfang der darauffolgenden Woche auch eine positive Rückmeldung gab.

Zurück nach Hause

Etwas früher als geplant konnte ich schon zur frühen Nachmittagsstunde wieder heim fahren – aufgrund des Streiks des Bodenpersonals wieder mit der Bahn, die mir eine Verbindung mit 11 Minuten Umstieg in Mannheim vorgeschlagen hatte. Mein ICE aus München hatte in Stuttgart zwar 20 Minuten Verspätung aufgebaut, aber der ICE nach Bonn hatte diese mittlerweile auch, sodass ich unbesorgt in Mannheim den bis nach Köln fahrenden ICE verließ und auf den Fernverkehrszug nach Bonn wartete – dessen Verspätung sich während der Wartezeit jedoch auf über anderthalb Stunden erhöhte. Am Ende fehlten bei Ankunft am verregneten Bonner Hauptbahnhof lediglich 12 Minuten, um mit zwei Stunden Verspätung 50% des Fahrpreises zurückzubekommen.

Aber ich hatte in den letzten Jahren, nicht nur während der Zeit in Australien, gelernt, mit so etwas entspannt umzugehen – denn ich konnte daran ja in diesem Moment nichts ändern…

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