Mein erster Eindruck von den Malediven: Wie entscheidend Lage sein kann

Auch wenn ich es damals noch nicht wusste, hatte ich in einem meiner letzten Umläufe als Flugbegleiter im Juni die Möglichkeit, die Malediven zu sehen. Wir flogen zu der Zeit zwei Mal die Woche ab Frankfurt die Trauminseln im Indischen Ozean an, sodass sich für uns als Crew Aufenthalte von 72, respektive 96 Stunden ergaben. Ich selbst hatte bei dem Flug keine riesigen Erwartungen, was die Malediven angeht. Aber ich muss auch zugeben, ich bin nach fünf Jahren Langstrecke und mindestens monatlichen Besuchen in karibischen Destinationen wie Dominikanische Republik, Kuba oder Jamaika etwas abgestumpft, was türkisblaues Meer, feine Sandstrände und Palmen bei 30 Grad angeht.

Ein ganz besonderer Flug

Mit dabei auf dieser dreitätigen Kurzreise waren Franzi, die kurz vor dem Anfang ihres neuen Jobs nochmal eine kleine Auszeit nehmen und mich einmal dabei erleben wollte, wie ich Liebe und Leidenschaft in meine Arbeit reinstecke, sowie Ina und Ben, ihres Zeichen Stand-Up-Paddleboards, die wir uns nach unserem Portugal-Urlaub einen Monat zuvor angeschafft hatten. Beide waren so groß und unhandlich, dass wir uns dazu entschieden, mit dem Auto und nicht mit der Bahn nach Frankfurt zu fahren. Am Flughafen angekommen ließ ich Franzi mit dem Gepäck direkt am Abflugbereich raus, parkte das Auto im Parkhaus und wir checkten die Board-Taschen relativ unkompliziert am Schalter ein. Dies war leider notwendig, da die SUPs ein wenig den Rahmen des Handgepäcks sprengten. So kam es dazu, dass dies seit New York 2016 mein erster freiwilliger Flug mit Aufgabegepäck geworden ist – und im gleichen Zug auch mein allererster (und allerletzter) während meiner Zeit als Flugbegleiter. (Es gab zwischendurch Anfang 2019 einen Deadhead-Flug nach La Romana (Deadhead-Flüge sind Flüge, wo die Crew als Passagier an einen anderen Ort fliegt, um von dort als Besatzungsmitglied zurückzufliegen), wo ich meinen Handgepäckskoffer aufgegeben hatte. Dies hatte ich damals aber nur gemacht, weil die Check-In-Mitarbeiterin am Eurowings-Schalter in Düsseldorf mit mir zu diskutieren anfing, dass ich den 14kg schweren Koffer nicht als Handgepäck mitnehmen könne. Den Fakt, dass ich Crew sei und wir unsere Uniform immer bei uns führen sollen, ignorierte sie wissentlich, aber ich hatte am zweiten Tag des Jahres unfassbar wenig Lust auf eine tiefgreifende Diskussion über ihre Unfähigkeit und gab den Koffer schlussendlich dann doch auf.).

Aussicht auf Dubai während des Fluges
In aktuellen Zeiten war es komisch, eine Aeroflot-Maschine am Flughafen in Malé zu sehen

Nachdem wir das Gepäck los waren, konnte es auf den Flieger gehen in Vorbereitung eines zehn Stunden langen Nachtfluges mit der Hoffnung, am nächsten Morgen zusammen mit den hoffentlich besser als man selbst ausgeschlafenen Passagieren in den Mini-Urlaub starten zu können. Diese zehn Stunden waren wenig spektakulär abgesehen von dem Fakt, dass die Maschine komplett ausgebucht war und eine Person als Begleitung einer Kollegin auf dem Jumpseat mitfliegen musste. Etwas mehr Glück und einen regulären Sitzplatz hatte hingegen noch Franzi bei der Lotterie am Gate erhalten. Ansonsten waren die Gäste in der Business Class, in der ich auf diesem Flug die Arbeit verrichten durfte, mehr als nett und es passierte nicht sonderlich viel erwähnenswertes zwischen dem Abflug in Frankfurt und der Ankunft in Malé, wo wir von einer gefühlten 90-prozentigen Luftfeuchtigkeit in Empfang genommen wurden.

Hallo, Paradies?

Die Einreise in Malé war sehr unkompliziert und nur wenige Minuten später konnte wir das offene Terminal-Gebäude verlassen, von wo aus wir direkt vor einer Straße standen, auf deren anderer Seite bereits das Wasser war. Die Malediven sind ja bekanntlich eine Gruppe von hunderten Inseln und so ging es zu unserem Hotel auch übers Wasser, was Franzi als leicht seekranke Person nicht ganz so gefiel. Nichtsdestotrotz überstanden wir gemeinsam die schaukeligen und welligen fünfzehn Minuten Fahrt zum Kurumba Resort und ich dachte bei dem Wellengang das ein oder andere Mal an unsere Schnapsidee, dass wir von der Hotelinsel Vihamanaafushi doch tatsächlich mit den Stand-Up-Paddle-Boards zum 12 Wasserkilometer entfernten Hard Rock Café paddeln könnten.

Unser Zimmer war im Erdgeschoss und mehr als geräumig
Es gab zudem ein Außenbadezimmer mit Außendusche, Badewanne, Dusche (rechts hinten) und WC (links hinten)

Laut Wikipedia ist das Kurumba Resort vor 50 Jahren von einem italienischen Unternehmer eröffnet worden und war damals das erste Resort, welches Urlaubsgäste in die zu dem Zeitpunkt touristisch noch nicht sehr erschlossenen Malediven einlud. Das Resort umfasst 180 Bungalows und Villen, mehrere Restaurants, Bars, ein Spa und diverse Sportaktivitäten, wie einen Tennisplatz, Billardtisch oder natürlich die Möglichkeit, das ein oder andere Wassersport-Equipment auszuleihen. Das klingt viel und macht das Resort auch zu einem der größten auf den Malediven, trotzdem hat man zu Fuß die Insel am Sandstrand in 15 bis 20 Minuten umrundet. So schön und gepflegt die Insel an sich auch gewesen sein mag, so sehr enttäuscht war ich von den Aussichten, denn diese haben mit Paradies nicht sonderlich viel zu tun: Da Vihamanaafushi nur unweit der Hauptinsel liegt, sieht man am Horizont nicht unbedingt den endlosen Ozean, sondern Containerschiffe, Industrien und die „Skyline“ von Malé, was mir zumindest so ziemlich die Idylle der Insel geraubt hat.

Je nach Standpunkt kann die selbe Insel wunderschön aussehen...
...oder eben auch nicht.
Unser Häuschen mit insgesamt vier Apartments
Das Hotel an sich ist schön hergerichtet und sauber

Die Hauptreisezeit der Malediven ist eher der mitteleuropäische Herbst bis Frühling. Es ist zwar zu jeder Jahreszeit warm, aber im Sommer aufgrund der Regenzeit durchaus mal etwas durchnässter und wie wir erleben durften, auch deutlich feuchter. Trotzdem wagten wir einen Blick auf einschlägige Buchungsportale und mussten feststellen, dass zwei Wochen in dem Resort für zwei Personen einen stolzen Preis von rund 4.000 Euro bedeuten würden – ohne Flüge und nur mit Frühstück. Denn auf den Malediven muss so ziemlich alles importiert werden, was sich dann auch auf die Preise in solchen Resorts niederschlägt: Da kostet ein Cocktail gerne mal $18 und ein Tag All-Inklusive schlägt pro Person dann mit $165 vor Steuern und Gebühren zu Grunde. Auf der anderen Seite hat man aber das Problem, dass man – sofern einem Geld nicht komplett egal ist – auf dem Resort gefangen ist, da alleine die fünfzehnminütige Überfahrt mit der Fähre auf die Hauptinsel hin und zurück pro Person $125 kosten würde. Dagegen wären die $50 in beide Richtungen beispielsweise zum erwähnten Hard Rock Café in den CROSSROADS Maldives ein echtes Schnäppchen.

So kam es dann aber dazu, dass wir uns für die drei Tage Aufenthalt den ein oder anderen Knabberkrams in Deutschland einpackten und leckere Asia Instant-Suppen unsere Mägen am Mittag füllte, sodass wir lediglich das Abendessen als Teil der Crew zu vierzehnt an einem langen Tisch verspeisten. Das Essen war sehr nobel angerichtet, was leider meist auch sehr überschaubare Portionen bedeutete, wie zum Beispiel die stolze Anzahl von sechs Pommes zum Schnitzel. Aber das Essen schmeckte immerhin ganz gut und die Kombination aus Vorspeise, Hauptspeise und Dessert sättigte einen genau ausreichend, aber auch nicht übertrieben, bis zum Frühstück am nächsten Morgen.

Die Vorspeisen waren beim Abendessen stets überschaubar...
...die Hauptspeise war aber mengenmäßig in Ordnung

Jenes Frühstück – von dem ich leider keine Fotos habe – war wiederum seiner Lokalisation auf einer Malediven-Insel würdig: Das Büffet war mehr als gigantisch, es gab so ziemlich alles, wonach einem das Herz begehrte und spätestens als ich zu dem frisch gemachten Crêpes die Vanillesoße entdeckte, war ich im genießerischen Himmel angekommen…

Zeit…

Unser Aufenthalt auf der Insel betrug insgesamt 72 Stunden von Sonntag Morgen bis zur Abreise am Mittwoch Morgen. Wir haben diese Zeit in einer Mischung aus „Pärchen-Urlaub“ und „Crew-Layover“ verbracht und abgesehen von der Inselumrundung zu Fuß am ersten Tag rückblickend die meiste Zeit des Tages auf unseren Stand-Up-Paddleboards verbracht, die sich als sehr praktisch erwiesen hatten. Um die Insel herum gab es nämlich einen mit Steinen aufgeschütteten Wellenbrecher, sodass das Wasser halbwegs ruhig war und zu mehreren Insel-Umrundungen zu Wasser einlud. Aufgrund der – aus Perspektive der kleinen SUP-Boards – eher raueren See haben wir die Insel damit nicht verlassen, sondern waren an einem Nachmittag mit GoPro und Schwimmbrillen bewaffnet ein wenig schnorcheln. Dazu musste man gar nicht sonderlich weit raus, sondern es reichte vollkommen aus, den Inselkreis zu verlassen, um hunderte Fische verschiedenster Arten sehen zu können. Beeindruckend war neben den vielen bunten Formen und Farben auch der Meeresboden: War das Meer im Inselbereich (je nach Ebbe und Flut) zwei bis vier Meter tief, gab es nur kurz nach dem Verlassen des Inselkreises einen unfassbar tiefgehenden Abhang, dessen Ende man nicht sehen konnte und der insbesondere auch aufgrund der nicht vorhandenen Sicht sehr gruselig war. Das ein oder andere Meereslebewesen verirrte sich hier und da auch in den Inselkreis hinein und bei unserer ersten SUP-Board-Umrundung haben wir auch einige wohl ungefährliche Baby-Haie im Inselkreis angetroffen.

Wir haben die Zeit primär auf den Stand-Up-Paddleboards verbracht...
...oder uns die Unterwasserwelt um das Atoll herum angeschaut.
Dort gab es einige Fische zu entdecken...
...wie auch einen furchteinflößenden Abgrund, der am Ende des Bodens zu erahnen ist.

Während der erste Tag durchaus bewölkt war, schien im weiteren Verlauf unseres Aufenthaltes nur die Sonne, wo ich mich am Montag nicht gut genug (oder gar nicht?) eingecremt hatte, was leider im schlimmsten Sonnenbrand auf meinem Rücken endete und mich zum T-Shirt tragen für den restlichen Aufenthalt zwang. Denn mein Rücken war knallrot, tat ziemlich weh und pellte sich auch die kommenden anderthalb Wochen danach noch bis aufs tiefste, was ebenfalls mit Schmerzen verbunden war.

Abgesehen vom Verschicken von Postkarten aus einer begrenzten und nicht soooo schönen Auswahl und dem genießen der Sonne haben wir in den 72 Stunden vor Ort nicht sonderlich mehr gemacht und ich muss ehrlich zugeben, dass mir die Zeit auf der Insel auch mehr als ausgereicht hat. Ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass die Insel nicht weitläufig genug war. Oder daran, dass es eben doch auch ein „Crew-Layover“ war (wobei die Crew mehr als nett war). Oder daran, dass ich kein Mensch für zwei Wochen Nichts-Tun-Urlaub bin. Aber ich war nach den rund drei Tagen froh, als wir uns wieder zurück in Richtung Flughafen bewegt haben, um den Heimflug nach Deutschland zu starten…

Der Heimflug und mein erster Eindruck von den Malediven

Dieser Heimflug war von zwei Besonderheiten geprägt: Zum einen war ein Kollege krank geworden, sodass wir zu siebt in der Kabine den Service bestreiten mussten. Da der Flieger im Vergleich zum Hinflug nicht ganz so voll war, war das nicht ganz so schwierig. Ein bisschen doof fand ich die Situation aus persönlicher Sicht, weil Franzi auf dem Weg nach Frankfurt in der Business Class sitzen durfte, während ich in der Economy als Ersatz einspringen musste, wodurch wir uns wieder servicetechnisch verpasst hätten. Glücklicherweise hatte ich in der Business Class einen tollen Kollegen, der mit mir zumindest für den zweiten Service die Positionen getauscht hat, sodass mich Franzi zumindest einmal ausgiebig bei meiner Arbeit erleben durfte.

Die Hauptstadt Malé
Ausblick auf die Malediven aus der Luft

Die zweite Besonderheit dieses Fluges war, dass eine Reisegruppe bestehend aus rund 20 Reisebüromitarbeitern uns für die zehn Stunden Gesellschaft leistete, da sie sich das ein oder andere Hotel auf den Malediven wie auch das Produkt an Bord etwas genauer und in live anschauen wollten. Dazu gesellte sich auch Kai Pätzmann, Moderator vom Reise-Fernsehsender sonnenklar.tv, den ich auf dem Flug ein bisschen kennenlernen und im Rahmen meines Flugbegleiter-Daseins auch verwöhnen durfte, was mir beides sehr viel Spaß gemacht hat. Ansonsten gab es außer meinem verloren gegangenen Amenity Kit, welches ich bei Ankommen auf dem Flieger in die Galley gelegt hatte, während das Cleaning noch zugange war und welches später nicht mehr auffindbar war und mir so meine Pause raubte (in jener Tasche waren meine Kopfhörer, Schlafmaske und alles, was ich sonst zum Schlafen und Wohlfühlen an Bord brauche), auf dem Flug nichts erwähnenswertes: Wir meisterten den Service zu siebt, die Gäste waren mehr allesamt mehr als nett und gut fertig kamen wir am frühen Abend wieder in Frankfurt an, von wo aus Franzi auf jeden Fall fitter zum Fahren war, sodass ich für den Rückweg ins Ruhrgebiet auf dem Beifahrersitz Platz nahm, den ich zwischendurch auch nur zu einem kurzen Zwischenstopp in Dormagen für ein leckeres McMenü im Restaurant zur goldenen Möwe verließ.

Rückblickend haben mich die Malediven bei meinem ersten Ausflug nicht vom Hocker gerissen. Ich schätze, da werden einige Faktoren dran beteiligt sein, wie der „Charme“ des Crew-Layovers auf der kleinen Hotelinsel, aber auch meine Abgestumpftheit im Bezug auf Sandstrand und Ozeanidylle. Trotzdem bin ich offen dafür, die Malediven durchaus noch ein weiteres Mal zu entdecken, wobei ich dann definitiv eine Insel wählen würde, die viel weiter weg von Malé ist. Denn das, was beispielsweise Christina und Reci auf ihrem YouTube-Kanal von den Malediven zeigen, wäre für mich definitiv eine weitere Reise wert. Ich denke, wenn es rein um Strand, Ozean und Ruhe geht, gibt es auf der Welt sicher einige mindestens genauso schöne – und vor allem bezahlbarere – Orte wie die Malediven…

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