Caddy goes Camper – Teil 9: Die Vorhänge

Für einen optimalen Sichtschutz nach außen hin und zumindest ein wenig Privatsphäre habe ich mich um ein paar Vorhänge für meinen Mini-Camper gekümmert. Dabei standen auch wieder einige Optionen zur Auswahl, ganz spannend fand ich dabei die magnetischen Thermomatten von Project Camper, allerdings hatten sie für mich das Problem der Unpraktikabilität: Sind sie nicht am Fenster befestigt, müssen sie irgendwo verstaut werden. Zudem fand ich sie in der Vorstellung nicht so idyllisch, sodass ich mich doch ganz klassisch für normale Vorhänge entschieden habe.

Vorhänge nähen

Nach meinen ersten Nähstunden für die Polsterbezüge stand für mich fest, dass ich auch die Vorhänge weitestgehend selbst nähen möchte. Als Stoffbasis kam aus dem schwedischen Laden meines Vertrauens der Vorhang Hilleborg zum Einsatz. Dabei reichte mir schon einer der beiden 145x300cm großen Vorhänge, um die einzelnen Teile für meinen Caddy zu nähen. Dabei fand ich das Nähen nicht per se anspruchsvoller als das der Polsterbezüge, allerdings waren insgesamt acht Vorhänge nötig: Je zwei für die Fenster rechts und links, zwei für die Hecktür und zwei zum Trennen des Fahrerraums von der Wohneinheit.

Zuallererst habe ich für die Vorhanggröße die Maße der einzelnen Fenster ausgemessen. Ich habe dabei jeweils die Innenmaße genommen, diesen Maßen habe ich jeweils einen Puffer von 2cm pro Seite (also 4cm pro Achse) hinzugerechnet. Anschließend musste auch der Überschlag berücksichtigt werden: Denn Vorhänge müssen ja von beiden Seite gut aussehen und dürfen nicht ausfransen, das heißt, dass der Stoff doppelt überschlagen werden muss. Das habe ich auch als Vorteil gesehen, denn durch das Überschlagen ergibt sich auf jeder Seite eine kleine Tasche, die man ein wenig „missbrauchen“ kann. Auf jeden Fall hatte ich berücksichtigt, dass hier 1,5cm auf jeder Seite sinnvoll waren, lediglich oben hatte ich 4cm eingeplant.

Daraus ergaben sich für die Fenster die folgenden Maße (Höhe x Breite; abgerundet):

  • Fenster Schiebetür (x2): Größe 53×62; mit Puffer: 57×66; mit Überschlag: 62×69
  • Fenster hinten (x2): Größe 52×57; mit Puffer: 56×61; mit Überschlag: 61×64
  • Hecktür links: Größe 56×63; mit Puffer: 60×67; mit Überschlag: 65×70
  • Hecktür rechts: Größe 56×42; mit Puffer: 60×45; mit Überschlag: 65×48

Nun habe ich aus dem Vorhang die einzelnen Teile ausgeschnitten, wobei ich die bereits genähten Seite nicht berücksichtigt habe, da ich wusste, dass ich sie nicht so schön hinbekomme. Ein unnötiges mehr an Arbeit, aber da kommt dann wieder mein Perfektionismus zum Tragen – wenn auch in Form von Inperfektionismus. Der Vorhangrest hatte ohne die bereits vorhandenen Gardinenösen eine Größe von 145x85cm und kam halbiert für das Abtrennen vom Schlafbereich und der vorderen Sitzreihe zum Einsatz. Beim Nähen habe ich immer erst mit der unteren Seite begonnen und auf diese im Abstand von 1,5cm eine Linie mit einem Stück Kreide gemalt. Dann habe ich den Vorhang umgedreht und den ersten Überschlag durchgeführt, wobei ich immer ein wenig weiter (etwa einen halben Zentimeter) als die weiße Linie gegangen bin. Entlang der Linie habe ich die Nadeln zur Befestigung durchgeschoben. Daraus ergab sich auch der zweite Überschlag, denn den nun überstehenden Teil habe ich bis zur bereits befindlichen Nadel nach innen gelegt und wieder mit einer Nadel befestigt, dabei immer sicher gehend, dass die daraus entstehende Tasche einen Zentimeter Innenmaß hatte.

Nach dem Annähen des Überschlages ging es an eine der beiden „Seitenseiten“ des Vorhangs. Auch hier habe ich wieder auf der äußeren Seite im Abstand von 1,5cm eine Linie aufgemalt, den Stoff nach innen umgeschlagen und mit Nadeln befestigt, das überstehende wieder umgeschlagen und befestigt und das ganze genäht.

Jeder Vorhang wurde nach der Größenberechnung einzeln ausgeschnitten
Anschließend wurden zwei Seiten umgeschlagen, ehe dort die Magneten reingenäht wurden

Bevor die zweite „Seitenseite“ genäht werden konnte, mussten in die Unterseite noch Magnete hineingenäht werden. Ich hatte mir dafür 10x3mm Neodym-Magnete organisiert, die selbst beim Filz noch eine leichte magnetische Haftung hatten. Für die nackte Karosserie fand ich die Haftung der Magnete viel zu stark, aber vielleicht habe ich mir damit noch die Option offen gelassen, auch die Türen irgendwann zu filzen…
Pro Seite kamen drei Magnete rein: Rechts und links jeweils unten, mitte & oben und unten mittig verteilt. Hierbei habe ich jedes Mal erst an der Stelle, an der der Magnet später sein soll, eine Seite zugenäht, dann den Magneten eingeschoben und die andere Seite vernäht. Das zweite Nähen war nicht ganz so einfach, da der Magnet an der metallischen Platte der Nähmaschine haften blieb.

Drei Magnete später folgte die zweite „Seitenseite“ und sowohl rechts als auch links kamen jeweils drei Magnete rein, sodass nun die obere Seite nach gleichem Prinzip angenäht werden konnte. Hierbei habe ich die weiße Linie aber mit 4cm Abstand aufgemalt und mich frei Hand dabei versucht, den zweiten Umschlag nur einen Zentimeter umzudrehen, was mir ganz gut gelang. Oben waren vier Zentimeter nötig, denn ich wollte den Vorhang nicht einfach aufschieben können, sondern dort Gardinenösen reinschlagen. Diese Idee hatte ich mir bei Billy abgeschaut und sie sagte mir deutlich mehr zu als einfach nur eine Gardinenstange durchzuschieben.

An der obersten Seite wurde mehr Platz für die Ösen gelassen
Deren Stellen wurden wieder mit Kreide markiert

Pro Vorhang kamen also acht Gardinenösen rein (bei dem für Hecktüren variierte die Zahl) und das oben verlinkte Set beinhaltete dazu alles, was nötig war: Zuerst musste mit dem schwarzen Teil und einem Hammer ein Loch in den Vorhang geschlagen werden. Das klappte mal besser, mal schlechter und mag durchaus auch am Stoff gelegen haben, dass ich da so ziemlich immer mit einer kleinen Nagelschere nacharbeiten musste. Wurden die Seiten soweit begradigt, kam die Unterseite der Öse durch und das ganze auf die Unterlage drauf. Von oben kam eines der flachen Gegenstücke drauf, der Stift rein und einige Hammerschläge später war die Öse befestigt.

Das Stanzwerkzeug, was im Ösen-Set dabei war, hat gute Dienste geleistet
Am Anfang hatte ich außen noch keine Öse vorgesehen, was ich nach dem ersten Test sehr schnell geändert hatte
Alle acht fertigen Vorhänge

Vorhänge im Auto befestigen

Die fertig genähten Vorhänge mussten anschließend auch irgendwie im Auto befestigt werden. Ich hatte – ein wenig aus Faulheit – relativ schnell das Bohren durch das Filz in die Karosserie ausgeschlossen und weil mir das Kleben mit dem Filz eher sinnfrei erschien, kamen auch hier Neodym-Magnete zum Einsatz. Hier das richtige Mittel zu finden, war aber nicht ganz so einfach, daher schreibe ich meinen Findungsprozess hier mal Stück für Stück rein.

Als erstes hatte ich mir sechs 25mm-Neodym-Magnete bestellt, um herauszufinden, ob die Magnete überhaupt durch das Filz eine entsprechende Haftung haben. Als ich dies bejahen konnte, habe ich noch etwas gebraucht, um die Vorhänge auch aufzuhängen. Hierbei wollte ich als Brückenstück Vorhangseile benutzen und habe mir deswegen ein anderes Magnet-Set mit Ringmuttern bestellt. Allerdings konnte ich schon beim ersten Test feststellen, dass diese Magnete eine deutlich geringere Haftung hatten als die ersten Test-Exemplare. Auch ein drittes Set, welches Haken montiert hatte, konnte mich nicht überzeugen. Also habe ich die ersten lediglich zum Test bestellten Magnete genommen, mir dazu passende M4 Ringmuttern sowie im Baumarkt Senkkopfgewindeschrauben und Unterlegscheiben organisiert. Die Ringmuttern hätte ich durchaus auch im Baumarkt gekauft, aber unter M6 konnte ich in keinem Baumarkt welche finden und das Loch im Magneten hatte einen Durchmesser von 4mm.

Ich habe mit verschiedenen Magneten zur Befestigung experimentiert, da ich auf Bohren und Kleben verzichten wollte
Am Ende habe ich meine Ringmutter-Magnetkonstruktion 12x selbst zusammenstecken dürfen

Nachdem ich also 12 Magnete mit Schrauben, Unterlegscheiben und den Ringmuttern zusammengebaut hatte, habe ich das erste Stück Vorhangseil zurecht geschnitten und an beiden Seiten die Haken eingeschraubt. Da sich im Inneren des Seils ein aufgewickeltes Metallband befindet, fand ich die Lösung an sich sehr clever. Zumindest bis ich feststellen musste, dass sie für meinen Einsatzzweck nicht wirklich brauchbar war. Denn das Seil hing mit aufgespanntem Vorhang zu sehr durch, was doch mehr Licht als nötig reinließ. Auf der anderen Seite ließen sich die Magnete auch nicht weiter auseinanderschieben, weil sie das Seil wieder zusammenzog. Ein kurzer Test mit einer alten Gardinenstange bestätigte für mich, dass der Vorhang auf was festem geraden aufgehangen werden muss.

Der erste Versuch mit Gardinenband war nicht zufriedenstellend...
...da ich oben eigentlich eine gerade Kante haben wollte, wie hier mit der Gardinenstange.

Am Ende war dies ein simpler 8mm Holzrundstab, den ich auf die passende Innenlänge zugesägt habe (insgesamt haben 3x 1m Länge für die sechs Fenster gereicht). Auf den Stab wurde der Vorhang gewickelt sowie auf beiden Seiten je ein Magnet. Am Rand des Holzstabs sorgt jeweils ein Nagel dafür, dass der Stab nicht aus der Ringmutter rutschen kann. Variiert man mit dem Abstand des Nagels zum Stabende, kann man den Magneten und danach den Vorhang immer noch abziehen (zum Beispiel zum Waschen) ohne die Nägel wieder rausnehmen zu müssen.

Also kam ein Holzrundstab zum Einsatz, der zwischen den Ringmuttern mit Nägeln verklebt wurde
Der Camper mitten am Tag mit zugezogenen Vorhängen
Und einmal mit offener Tür...
Am Ende kamen auch vorne zwei Vorhänge an die Dachverlängerung

Die Vorhänge an den Sitzen wurden genauso an zwei Rundstäben montiert, wobei diese an einer von oben durch die Deckenverlängerung gebohrte Schraube fixiert sind. Hier ist es zum Abnehmen der Vorhänge dann auch notwendig, die gesamte Konstruktion auseinander zu nehmen, aber eine bessere Idee hatte ich hier nicht. Die beiden Vorhangshälften haften auch hier wieder magnetisch aneinander, zusätzlich habe ich die Verkleidung der B-Säule abmontiert und auch dort von hinten drei kleine Magnete der selben Größe mit Heißkleber reingeklebt. Dadurch entsteht kein Spalt an eben jener B-Säule, der sich durch die gebogene Form des Autos ergeben würde. Leider hatte ich mir die Markierungen bei der B-Säule auf der Fahrerseite irgendwie zu tief gesetzt, sodass ich hier keinen Halt hatte und das ganze zweimal machen musste. Das Auseinandernehmen der Verkleidungen konnte ich zwar mittlerweile schon im Schlaf für die Elektrik, aber spaßig ist definitiv was anderes…

In die Seitenverkleidungen der B-Säule habe ich Magnete reingeklebt...
...damit der Vorhang bündig mit der nicht senkrechten Säule abschließen kann
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