Caddy goes Camper – Teil 3: Das Dach

Nach dem Dämmen und Filzen der Seitenteile der Karosserie ging es nun an die Decke, mit der ich etwas ganz besonderes vor hatte. Da es sich bei meinem Caddy um die Nutzfahrzeug-Ausführung handelt, fehlt auch an der Decke die Pkw-Verkleidung, stattdessen gibt es lediglich eine etwa 150x110cm große und 2mm dicke Holzplatte, die mit insgesamt 23 der „unsäglichen Plastikclips“ befestigt ist, die auch an den Seitenverkleidungen zum Einsatz kamen – dieses Mal allerdings passend zur Decke in grau und nicht in schwarz.

Auseinandernehmen & Dämmen

Also habe ich zunächst damit angefangen, alle diese Clips zu lösen, wonach einem die Decke im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf fiel. Um sie komplett aus dem Auto zu entfernen, musste auch noch die mit der Starterbatterie verbundene Deckenlampe abgeklipst werden. Das freie Kabel habe ich genauso wie beim Seitenteil links hinten abisoliert und mit Panzertape befestigt, damit es nicht herumfliegen kann, während ich auf den Wiedereinbau der Lampe verzichtet habe.

Als Vorbereitung für den Wiedereinbau der noch zu gestaltenden Holzplatte wurde die Karosserie oben wie schon die Seitenteile mit den Resten an Armaflex gedämmt. Ob das wirklich einen spürbaren Effekt hat, kann ich nicht abschätzen, da ich dafür wahrscheinlich hätte messen müssen oder einen direkten Mit-Ohne-Vergleich bräuchte. Aber ich bilde mir zumindest ein, dass ich alles mögliche und irgendwo sinnvolle versucht habe, um im Sommer die Wärme und im Winter die Kälte möglichst draußen zu halten und gerade bei ersterem ist die Decke natürlich der Faktor schlechthin.

Die nackte Decke; die beiden Hohlräume wurden mit Armaflex gedämmt
Die gedämmte Decke

Vor dem Anbringen habe ich noch die Schaumstoffstücke, die das Lampenkabel halten, entfernt und die jeweiligen Stellen mit Aceton saubergemacht, was sehr lange gedauert hat. Das Befestigen vom Armaflex an sich ging zu zweit relativ gut und mit deutlich weniger Spielerei als bei den Radkästen. Lediglich das über Kopf arbeiten ging bei den sommerlichen Temperaturen auf den ganzen Körper – Arme, Beine beim Knien wie auch den Kreislauf. Aber da soll eine kleine Pause ja gut helfen und wenn dann noch zufällig der Eiswagen durch die Straße fährt… 😀

Der Sternenhimmel (Teil 1)

Mit der Planung der Decke ging auch die Planung der Beleuchtung des Wohnraums einher. Ich war hatte mich aufgrund der punktellen Platzierung gegen Deckenspots entschieden, sondern wie Rene für eine über der Küche platzierte LED-Lampe. Gleichzeitig hatte mich noch eine andere Idee anfixiert, nämlich die eines Sternenhimmels, wenn ich schon kein offenes Dach habe, um beim Schlafen in den echten Sternenhimmel zu schauen. Ein Dankeschön hier geht an Patrick von KissThePro, denn sein Einbau war der einzige, den ich finden konnte und der mir bei der Umsetzung geholfen hat. Primär deshalb, weil ich ohne sein Video nicht das gefunden hätte, was sich für einen solchen Sternenhimmel am besten eignet: Ein Bündel an Glasfasern, die das Licht einer Lampe durchleiten und erst am Ende der Faser leuchten. Mein Glasfaserkit umfasst 200 dieser Fasern, ist schon auf 12V ausgelegt und hat neben einer Dimmfunktion und RGB-Farbwahl auch noch eine App-Steuerung über Bluetooth.

200 Fasern bedeutet 200 Sterne und das bedeutet leider auch: 200 Löcher bohren. 200 Fasern durchziehen. 200 Mal kleben und 200 Mal abschneiden. Damit die Sterne möglichst gleichmäßig verteilt sind, habe ich die Holzplatte in vier Teile aufgeteilt und in jedem Bereich 50 Punkte platziert, zunächst mit Bleistift und anschließend mit einem Edding. Dann habe ich durch alle 200 Löcher ein Loch gebohrt, wofür dem Glasfaserkit fünf Bohrer beilagen: Drei 0,8mm-Bohrer, ein 1,1mm-Bohrer und ein 1,6mm-Bohrer. An dieser Stelle habe ich primär mit den 0,8mm-Bohrern gearbeitet und es war sehr gut, dass drei dabei waren, da ich es mit der Zeit geschafft habe, zwei abzubrechen. Teilweise war der Abbruch soweit vorne, dass sich der Bohrer immer noch verwenden ließ, irgendwann war das ganze dann aber so stumpf, dass gewechselt werden musste.

Die Decke verkleiden

Nach dem Bohren der Löcher musste die Decke noch verkleidet werden: Zum einen wollte ich die Decke nicht grau belassen, konnte sie aber nicht wirklich anmalen, da sie aufgrund der fehlenden Lampe ein großes Loch in der Mitte hatte. Gleichzeitig erschien es mir aus Ressourcengründen blöd, die Platte wegzuwerfen und mir eine neue Holzplatte zuschneiden zu lassen (im Nachhinein wäre es aber die bessere Wahl gewesen denke ich). Zum Verkleiden standen zwei Stoffe zur Wahl: Ich hatte überlegt, wie schon an den Seitenteilen mit Selbstklebefolie zu arbeiten. Allerdings habe ich keine Folie gefunden, die so groß wie die Platte, trotzdem noch bezahlbar war (die meisten Folienrollen sind nur bis 90cm breit) und auch noch mehr als nur weiß war. Bei mehreren aneinandergeklebten Folien wusste ich, dass man den Klebeübergang sehen wird und dafür war und bin ich zu perfektionistisch; außerdem war mir bewusst, dass man das Lampenloch auch sehen wird.

200 Löcher verteilen und bohren
Anschließend kam der PVC drüber

Also fiel die Wahl auf PVC. Ich wollte zunächst den dünnsten PVC-Belag nehmen, den ich im Baumarkt online gefunden habe (0,75mm dick), allerdings hat mir dieser leider optisch gar nicht zugesagt, als ich ihn dann live gesehen habe. So wurde es der Faray-Belag von Hornbach in Cremefarben, den ich mit einem halben Kilo Holzleim festgeklebt habe. Miteinander verbunden brachte das ganze schon ordentlich Gewicht auf die Waage und war in Kombination leider nicht die perfekte Lösung, da sich schon wenige Wochen nach dem Wiedereinbau ins Auto Blasen bildeten und sich der PVC in Teilen von der Holzplatte zu lösen schien. Ich beschloß aber, das ganze erstmal so zu lassen, da ein Neubau auch das erneute Bohren von 200 Löchern erfordert hätte…

Der Sternenhimmel (Teil 2)

Nach dem Verlegen des PVCs ging es wieder an den Sternenhimmel und es ging wieder daran, 200 Löcher zu bohren, dieses Mal durch das PVC. Und so bekloppt das klingt, ich hatte mir tatsächlich Gedanken darüber gemacht, warum ich mir die Arbeit so umständlich gemacht habe: Hätte ich erst das PVC geklebt, hätte ich die 200 Löcher-Markierungen auf der Rückseite der Holzplatte machen müssen und auch von dort durch Holz und PVC bohren müssen. Damit hätte sich bei jedem Bohren das PVC an der Stelle um das Loch von der Holzplatte gelöst (das ist bei meinem Verfahren auch passiert). Viel wichtiger ist aber noch, dass sich die Holzspänne vom Bohren in diesem Freiraum gesammelt hätten und man sie nicht so einfach wieder rausbekommen hätte. Dies war beim jetzigen Bohren nur durch das PVC nicht das Problem.

Die Rückseite der Decke mit 200 Glasfasern und dem abgedeckten Loch der originalen Deckenlampe
Ganz viele abgeschnittene Glasfasern

Insgesamt war das Bohren durch das PVC eher lästig, denn das PVC zog sich teilweise wieder zusammen, da der durchgebohrte Fetzen Stoff immer noch am Rest hing. Da musste ich öfter mit einer Sicherheitsnadel nachhelfen, als es anschließend darum ging, die 200 Glasfasern durch die Löcher zu ziehen. Nach einigen Versuchen mit Holzleim hab ich die meisten mit Sekundenkleber geklebt, was die Fasern auch in Position hielt. Leider – als wäre die Decke bis hierhin nicht schon mit genug Pech und Pannen gesegnet – griff der Sekundenkleber die Fasern an und machte sie brüchig. Einige der Fasern, die so gebrochen waren, habe ich gerettet (also „hinten“ an der Klebestelle abgeschnitten, das Loch aufgebohrt und das festklebende Stück entfernt und neu durchgezogen), irgendwann wurde es mir zu mühselig, sodass es am Ende nun etwa 190 Fasern sein müssten, die tatsächlich leuchten (sollte jemand, der das liest viel zu viel Langeweile haben, lade ich zum Zählen an der Decke ein 😀 ).

Vor dem Kleben haben wir die Decke auch noch zu zweit einmal testweise ins Auto getragen und befestigt, denn es war wichtig, dass der Anfang des Faserbündels soweit rausschaut, dass er mit dem Lichtgenerator verbunden werden kann, welches ich hinter der B-Säulenverkleidung platzieren wollte – das war ein Spaß mit den ganzen ungekürzten Fasern, die ja eine Gesamtlänge von zwei Metern hatten… 😀

Erster Probeanschluss des Sternenhimmels
Leider haben sich relativ schnell einige Blasen gebildet; insgesamt hält die Decke aber

Last but not least habe ich mich nach Versuchen, die „unsäglichen Plastikclips“ weiß zu lackieren, auch an der Decke dazu entschieden, mit Blindnietmuttern und richtigen Schrauben zu arbeiten. Im ersten Anlauf habe ich daher in jedes zweite Loch eine M5-Nietmutter platziert und die Decke anschließend mit Unterlegscheiben und Schrauben fixiert (wieder als eigene Referenz sind das bei Hornbach die Scheiben 6,4 D288 und die Schrauben 5x12mm D612 & für die Mitte 5x25mm D567). Als es feucht geworden ist und sich das Holz ein wenig verzogen hat, habe ich nachträglich auch in die ausgelassenen Löcher eine Blindnietmutter eingesetzt und Unterlegscheibe & Schraube organisiert, sodass das ganze nun vernünftig fixiert ist. Abschließend mussten nur noch die knapp 200 Glasfasern möglichst nah am PVC gekürzt werden. Das Ergebnis mit einem Seitenschneider sagte mir nicht wirklich zu, also kam ein Nagelklipser zum Einsatz, ehe das ganze provisorisch mit der Batterie verbunden wurde und getestet werden konnte. Zudem war der Rohbau an dieser Stelle auch soweit abgeschlossen, sodass es um Boden und Möbel gehen konnte…

Der "fertige" Rohbau
Der "fertige" Rohbau (2)

Der fertige Sternenhimmel ist insbesondere bei eintretender Dunkelheit sehr schön und nur minimal kitschig:

Der Sternenhimmel war seine Arbeit auf jeden Fall wert
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