Auch an dieser Stelle der aktuell obligatorische Hinweis zur Chronologie, dass dieser Kurztrip nach Kreta bereits im Juni 2024 passiert ist, aber erst im April/Juni 2026 verschriftlicht wurde. Ich wäre im Blog gerne aktueller zugange, auf der anderen Seite ist es jedes Mal aufs neue spannend, alte Reisen (oder zumindest den Teil, den mein Gedächtnis rund zwei Jahre später noch rekonstruieren kann) wiederzuerleben und zu sehen, was sich in der Zeit alles verändert hat. Die Ansicht, dass dieser Kurzurlaub einer der spontansten, dadurch aber auch irgendwie einer der coolsten war, die teile ich aber auch heute noch…
Mein erster Besuch in Griechenland sollte sehr, sehr lange auf sich warten lassen, dafür aber umso spontaner sein: Im Juni und Juli verbrachte ich im Rahmen meines Flugbegleiter-Daseins viel, vermutlich zu viel Zeit auf der Strecke von Paris nach Dakar, die wir damals für Air Senegal im Wetlease geflogen sind. An einem der vielen Abende an einem der beiden Endpunkte dieser Strecke, als ich in Paris irgendwas gegessen haben musste, was mir absolut nicht gut getan hatte, begegnete ich in Dakar einer der auf dieser Route fliegenden Parallel-Crews, zu welcher auch Caro gehörte. Über die Tage verstanden wir uns so gut, dass wir kurz vor Ende der Umläufe im Hotel in Dakar an der Bar sitzend uns überlegten, ob wir die folgende Situation nicht besser für uns nutzen könnten: Die erste von zwei Paris-Dakar-Runden neigte sich dem Ende zu und wir sollten auf einem Linienflug von Paris wieder nach Hause geflogen werden. Die rund 400 Kilometer ins Ruhrgebiet, bzw. ein Stück mehr nach Frankfurt, waren aber so teuer (auch wenn wir sie nicht zahlen mussten), dass wir anfingen zu schauen, wo wir denn günstiger hinkommen könnten und dass wir dann doch mal lieb bei der Planungsabteilung fragen könnten, ob sie uns statt dem Flug nach Deutschland den Flug zu einem zu dem Zeitpunkt noch unbestimmten Ort buchen könnten.
Und schwupps, saßen wir am nächsten oder übernächsten Tag am Flughafen Charles de Gaulle zurück aus Dakar und warteten dort auf das Boarding des Fluges Air France 1002 mit dem Ziel: Heraklion. Auf Kreta sind wir zum einen durch die Flugpreise gekommen, zum anderen aber auch, weil alles zusätzlich noch zu organisierende ebenfalls sehr unkompliziert und ohne großes Loch auf dem Konto möglich war. Und weil wir beide noch nie in Griechenland waren, aber da durchaus gerne mal hinwollten.
Kaliméra, griechische Sonne!
Und so schien uns dreieinhalb Stunden später auf der Mittelmeerinsel angekommen die wunderschöne, griechische Sonne ins Gesicht und wir verstanden in diesen Momenten sofort, warum das ein so beliebter Spot für den Sommerurlaub ist. Während wir unser spotanes Glück noch nicht so wirklich realisieren oder fassen konnten, holte uns die Urlaubsbürokratie am Mietwagen-Schalter ein, wo wir vergleichsweise unkompliziert, aber mit den üblichen Lockangeboten für zusätzliche, unnötige Versicherungen, unsere Automobil für die nächsten Tage abholten.
Der kuschelige Fiat Panda 1.0 Hybrid, ein laut Wikipedia seit 2020 gebautes Modell mit scheinbar 70 PS, die man beim Fahren der kleinen Knutschkugel jetzt nicht sonderlich gemerkt hat, erfüllte zumindest seine Anforderungen in den Punkten Größe und Wendigkeit und war für zwei Personen mit ein bisschen Gepäck mehr als ausreichend. Im Vergleich zu meinem Caddy war es auch mehr als schön, wieder mal ein Gefühl für die Dimensionen des Fahrzeugs zu haben und preislich war der Mietwagen für rund 21,50 Euro pro Tag nicht kostspielig, zumal ein Auto auf Kreta schon mehr als nur hilfreich ist, um sich auf der Insel fortbewegen zu können.
Den Mietwagen abgenommen haben wir uns als erstes – und für den Tag auch einziges – nach Παλαίκαστρο/Palekastro gemacht, ein kleines Dorf eine Viertelstunde Fahrt vom Flughafen entfernt. Dort ist Caro bei der Unterkunftssuche auf „Gabriella’s Garden“ gestoßen, der in seinem Eintrag auf der Buchungsplattform zwar sehr rudimentär, aber irgendwie authentisch und liebevoll aussah, sodass wir uns dann eben auch am Ende für diesen entschieden.
Dort wurden wir an einem Ort begrüßt, der genau den Fotos und Eindrücken entsprach von Gabriella (wer hätte das gedacht), die vor über zehn Jahren aus Deutschland ausgewandert war und sich nur unweit von Heraklion ihren Traum vom Gastgeber sein ermöglicht hat. Dies erzählte sie damals uns, aber einige Zeit vorher auch schon dem ZDF.
Das Zimmer war sehr spartanisch, sehr ländlich eingerichtet: Es gab ein Bett, einen Tisch mit Holzstuhl, kleinere Ablagen und ein technisch überschaubares Bad. Wer eine moderne Unterkunft sucht, wäre hier definitiv falsch, aber der Charme des spartanischen, aber auch des ganzen Hofs und der Gastfreundschaft in Sachen Abendessen und morgens dann Frühstück hat das mehr als wieder ausgeglichen (was jetzt so klingt, als hätte ich am Zimmer etwas anzumeckern, wobei dem absolut nicht der Fall ist). Vom finanziellen her haben wir ohne Verpflegung knapp 40 Euro pro Nacht bezahlt, was mehr als in Ordnung war.
Stadterkundung in Heraklion
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück haben wir uns dann in einen Erkundungstag gestürzt, der uns zunächst einmal in die Altstadt von Ηράκλειο/Heraklion geführt hat. Das Auto sind wir beim Central Parking losgeworden (welches bei den engen, unüberschaubaren Einbahnstraßen erstmal gefunden werden musste), wo ich gleichzeitig auch zum ersten Mal zwangsweise Valet Parken genutzt habe, also dass man das Auto an der Einfahrt samt Schlüssel abgibt und sich ums Parken selbst nicht kümmern muss und Schlüssel samt Auto erst beim Abholen wieder zurückbekommt. Das fand ich schon ein komisches Gefühl, auch wenn es noch nicht einmal mein eigenes Auto war.
Unser Weg durch die Altstadt brachte uns unter anderem an den Venezianischen Hafen und die dortigen Festungsanlagen, aber auch über die 25th Avgoustou, die vom Hafen abführende Fußgängerzone, die natürlich all die tourischen Lokale und Souvenir-Shops hatte. Irgendwann sind wir dann aber auch mal etwas abseits der Massen unterwegs gewesen und haben die deutlich leereren, verwinkelten Gassen erkundet, von denen ich zum einen gerade gar nicht mehr so viel erzählen könnte. Wo ich zum anderen aber auch nicht sonderlich viel erzählen muss, denn wir haben dort genau das von Bildern und aus Film und Fernsehen bekannte Urlaubs-Griechenland genauso erlebt, wie es einem in den Medien vermittelt wird.
Den Abschluss unseres kleinen Stadtrundganges machte dann noch ein Halt bei der Eisdiele Gellissimo, wo wir uns den wunderschönen Sommervormittag mit einer kleinen Abkühlung etwas versüßten.
Der Palast von Knossos
Anschließend ging es ein paar Kilometer südlich von Ηράκλειο/Heraklion zum Palast von Κνωσός/Knossos. Hierbei handelte es sich um eine der meistbesuchten archäologischen Stätten Griechenlands, die von der Hochkultur der Minoer vor rund 4.000 Jahren errichtet worden sind. Auf insgesamt über 21.000 Quadratmetern hatten wir die Möglichkeit, in die ausgegrabenen und teils restaurierten Überbleibsel dieser uralten Kultur einzutauchen.
Das ging zum einen mit verschiedenen Touren, wir hatten uns aber dazu entschlossen, einfach so herumzulaufen und uns den Ort anzuschauen. Dafür ist ein Eintrittspreis von 15 Euro pro Person angefallen, der es aber auf jeden Fall wert war auch ohne Tour etwas durch diese historischen Stätten herumzuwandern, denn wir haben dort am Ende knapp zwei Stunden verbracht.
Abendessen und Sonnenuntergang in Matala
Vom Palast aus führte uns die Route nach Μάταλα/Matala am südlichen Zipfel der Insel, wo uns Gabriella den Strand von Κόμος/Komos empfohlen hatte, um einen wunderschönen Sonnenuntergang zu erleben. Dorthin schickte uns Google Maps in Verbindung mit unserem Orientierungssinn von Κνωσός/Knossos aus querfeldein in Richtung Süden und anschließend irgendwann über die Nationalstraße 97, bis wir wieder an der Küste ankamen.
Die malerischen Landschaften dorthin waren nicht nur aus jedem Blickwinkel wunderschön anzuschauen, sondern sie erinnerten mich auch wieder hier an das schon erwähnte und in Film und Fernsehen vermittelte Kreta, zum Beispiel in der Serie Kreuzfahrt ins Glück. In Μάταλα/Matala konnten wir das Auto relativ problemlos am Ortseingang parken und hatten dann die Qual der Wahl, uns für eines der Restaurants zu entscheiden. Leider kann ich nicht mehr rekonstruieren, für welches Lokal die Entscheidung gefallen ist – aber die Fotos vom Essen erinnern mich daran, dass es auf jeden Fall eine gute Entscheidung war 😀
Ausklingen ließen wir den langen Tag unter strahlendem griechischen Sonnenschein dann am Strand von Κόμος/Komos, den wir überraschenderweise fast komplett für uns alleine hatten, was mich etwas überrascht hat.
Ein entspannter restlicher Aufenthalt und Rückblick
Vom Strand von Κόμος/Komos trennten uns dann noch anderthalb Stunden Autofahrt zurück zu unserer Unterkunft, ehe wir die nächsten Tage aufgrund von Krankheitsfällen vermutlich resultierend aus dem vorhergehenden Paris-Dakar-Hinundher entspannt angegingen und weitestgehend in der Umgebung um Παλαίκαστρο/Palekastro geblieben sind, wobei dort ein Strand sowie zwei empfehlenswerte Lokale (die Taverna Zacharis und die Ombra Beach Bar) nur fußläufig entfernt waren.
Ursprünglich wollten wir auch vier Nächte bleiben und somit nach unserer Ankunft am 8. Juni erst am 12. Juni wieder zurückfliegen (wofür wir dann auch Mietwagen und Unterkunft entsprechend gebucht hatten), aber aufgrund eines spontanen Fluges wurden wir schon einen Tag früher in Frankfurt erwartet, sodass uns einige Flugstunden zu Gast bei Condor schon am 11. Juni zurück nach Deutschland brachten (die übrigens für die Spontanität mit 70 Euro pro Person auch nicht kostspielig war – hach damals). Nur einen Tag später sollte es dann über Amsterdam nach Paramaribo, die Hauptstadt von Suriname, gehen. Bis heute im Juni 2026 stellt das meinen einzigen Fußabdruck auf südamerikanischem Boden dar…
Der spontane Kurzurlaub auf Kreta war rückblickend mehr als toll und ich bin bis heute fasziniert davon, wie gut alles organisatorisch funktioniert hat. Aber auch wie toll Kreta als Insel war, geschichtlich, im Bezug auf die Infrastruktur, die Menschen und selbstverständlich das Essen. Ich hoffe inständig, dass ich auf meinen nächsten Griechenland-Besuch nicht wieder dreißig Jahre warten muss…
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